Alles ganz normal

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Große Worte hat es viele zur Bundestagswahl gegeben. „Politisches Erdbeben“ war eines davon. Jetzt gilt es, die Emotionen herunterzufahren und nach vorn zu schauen. Denn was am vergangenen Sonntag geschehen ist, war eine absehbare Entwicklung – und im Grunde normal.

Grafik: Tim Reckmann / pixelio

 

Wenn eine Große Koalition regiert, profitieren immer die kleineren Parteien. Sie haben alle zugelegt. Dass mit der AfD eine rechte Partei ins Parlament einziehen konnte, hat im Wesentlichen drei Gründe: Erstens hat sie einen erheblichen Prozentsatz bei Protestwählern geholt, zweitens bietet die CDU unter Angela Merkel national-konservativen Wählern keine Heimat mehr und drittens liegt die Rückkehr der Rechten im neuen europäischen Trend.

Die knapp 13 Prozent für die AfD sind kein Ruhmesblatt für Deutschland, aber man darf die Partei auch nicht überbewerten. Wenn die anderen Parteien jetzt ihre Hausaufgaben machen, wird die Rechte ebenso wieder in der Versenkung verschwinden wie andere Protestparteien schon vor ihr.

Dass die SPD in die Opposition geht, ist ein erster richtiger Schritt. Denn damit wird verhindert, dass die AfD die Oppositionsführerschaft mit den damit verbundenen Vorteilen bekommt. An der CDU/CSU liegt es nun, mit anderen Partnern eine stabile Regierung zu bilden. Diese muss die Probleme der Zukunft offensiv angehen.

Allzu vieles, was den Menschen auf den Nägeln brennt, ist in den vergangenen vier Jahren und im Wahlkampf unter den Teppich gekehrt worden. Ein „Weiter so“ kann und darf es nicht geben. Für frischen Wind und neue Ideen müssen Union, SPD, Grüne, FDP und Linke selbst sorgen. Und sie sollten nicht nur die Köpfe, sondern auch die Herzen der Wählerinnen und Wähler (zurück-)gewinnen. Gerade Letzteres lässt die heutige Technokraten-­Generation im Parlament vermissen.

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