Ausgezeichnete Bank

BKC hervorragend bei nachhaltigen Anlagen

Paderborn. Die Möglichkeiten nachhaltiger Geldanlagen standen im Mittelpunkt des diesjährigen Kapitalmarktforums der Bank für Kirche und Caritas (BKC). Die Paderborner Genossenschaftsbank liegt nicht nur in diesem Segment im Bankenvergleich ganz vorn.

Die Akteure des Kapitalmarktforums der BKC (v. l.): Tommy Piemonte, Vorstandsmitglied Jürgen Reinke, Vorstandsvorsitzender Dr. Richard Böger, Dr. Helge Wulsdorf und Marian Heller.Foto: Nückel

 

von Matthias Nückel

„Unsere Bank hat noch nie in Dinge investiert, die moralisch verwerflich sind“, stellte Jürgen Reinke, Vorstandsmitglied der BKC, schon bei der Begrüßung fest. Und diese Konsequenz wird gewürdigt. Gleich zwei Mal wurde die Bank für ihr Treuhandportfolio ausgezeichnet. Und vom „Handelsblatt“ wurde die BKC als „sehr gut“ bewertet, wie Reinke berichtete.

Dr. Helge Wulsdorf, Leiter Nachhaltige Geldanlagen bei der BKC, konnte noch eine weitere Auszeichnung hinzufügen, denn die Kirchenbank wurde auch als „bester nachhaltiger Investor“ eingestuft. „Seit 15 Jahren gibt es bei uns die nachhaltigen Investments“, sagte Wulsdorf und fügte hinzu: „Wir haben das in der DNA, das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“

Was nachhaltige Geldanlagen konkret bedeuten, erläuterte Dr. Helge Wulsdorf zusammen mit seinem Kollegen Tommy Piemonte. „Der Mensch steht im Mittelpunkt – als Einzelperson, in der Gesellschaft und mit der Schöpfung“, so Wulsdorf. Daraus ergeben sich für Geldanlagen zahlreiche Ausschlusskriterien. Dazu gehören zum Beispiel die Themen Abtreibung, Pornografie, Verdacht auf Geldwäsche, Verletzung der Menschenrechte oder Tierversuche. Aber auch Investitionen in Atomstrom, Kohlestrom oder grüne Gentechnik sind ausgeschlossen.

Dieser sogenannte Nachhaltigkeitsfilter ist jedoch nicht starr, wie Piemonte erklärte. Es gibt ständig Veränderungen. „Vor 20 Jahren waren die Gentechnik oder das Fracking noch kein Thema“, nennt er zwei Beispiele. Auch werde der Standpunkt der katholischen Kirche stets neu in die Nachhaltigkeitskriterien eingearbeitet, wie etwa die Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.

Aufgrund dieser Vorlagen werden die Geldanlagen gefiltert. Selbstverständlich gibt es nach den Worten Piemontes dann auch noch eine Finanz­analyse, bevor das Anlagenportfolio erstellt wird. „Der Ausschluss aus fossilen Brennstoffen schließt sich auch aus wirtschaftlichen Gründen aus“, erläuterte der Nachhaltigkeitsexperte. Denn bei den Aktien von E.ON und RWE, die lange auf Kohle gesetzt hätten, gebe es einen Kursverfall.

Wie der Nachhaltigkeitsfilter auch bei Staaten angewendet wird, berichtete Marian Heller. Der Portfoliomanager stellte die „BKC Emerging Markets Renten“ vor. Auch bei diesen Investitionen in Anleihen von Schwellenländern – also jenen, die zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten liegen – gibt es Ausschlusskriterien, wie etwa die Vollstreckung der Todesstrafe in den Staaten, der Grad der Korruption oder der Bau von Atomkraftwerken. So wurde Mexiko aus dem Portfolio aussortiert, weil dort die Korruption wieder zunimmt. Chile gilt dagegen laut Heller als Musterland unter den aufstrebenden Schwellenländern.

Mit ihrer Strategie der Nachhaltigkeit ist die Bank für Kirche und Caritas mittlerweile weltberühmt geworden. Als sich die BKC jetzt als erste Bank dem „Global Catholic Climate Movement“ – einer katholischen Klimaschutzbewegung – angeschlossen hat, wurde dies weltweit in den Medien registriert. „Man konnte sogar BKC auf Japanisch lesen“, sagte Dr. Helge Wulsdorf stolz.

Ein regelmäßig wiederkehrender Tagesordnungspunkt beim Kapitalmarktforum ist der volkswirtschaftliche Ausblick des Vorstandsvorsitzenden Dr. Richard Böger. Dieser befasste sich zunächst mit den Auswirkungen der Niedrig­zins­politik der Europäischen Zen­tralbank (EZB). Die allgemein geäußerte Behauptung, die niedrigen Zinsen würden die Sparer enteignen, verwies er in den Bereich der Fabel. Nach Bögers Ansicht gibt es fast nur Profiteure. Der Staat profitiere, weil er weniger Schuldzinsen zahlen müsse. Alle Staatsdiener sowie von staatlichen Leistungen abhängige Menschen hätten den Vorteil, dass es keine Spardiskussionen gebe. Die Unternehmen profitierten von niedrigen Zinsen, weil die Kosten für Fremdkapital geringer seien. Und auch den Beschäftigten komme dies zugute, weil die Arbeitsplatzsicherheit wachse. Und schließlich seien auch Besitzer oder Käufer von Immobilien auf der Gewinnerseite. Verlierer der Niedrigzins­politik sind laut Dr. Böger lediglich Besitzer größerer Vermögen, die ihr Geld einseitig angelegt haben.

Zur schwierigen Regierungsbildung hatte der BKC-Vorstandsvorsitzende ebenfalls eine vom Mainstream abweichende Meinung. „Das Schöne an der fehlenden Regierung ist, dass man nichts falsch machen kann“, sagte er. Und für die Unternehmen sei es egal, ob die Regierungsbildung noch ein paar Monate dauere. Es werde in jedem Fall weiteres Wachstum geben, die Beschäftigung werde zunehmen und die Arbeitslosenquoten in der EU würden sinken, sagte Dr. Böger voraus.

Die geballte Information macht das Kapitalmarktforum bei den Mitgliedern der BKC so beliebt. Dies zeigte sich in diesem Jahr nicht zuletzt bei der Besucherzahl im Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum. Mit über 300 Anmeldungen gab es so viele wie nie zuvor.

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