Beisetzung im Kreuzgang

Im ehemaligen Kloster St. Mauritius in Minden ist ein Kolumbarium entstanden

Minden (jon). Es ist ein ehrwürdiges Ambiente, in dem ab sofort die Urnen Verstorbener beigesetzt werden können: Im Kreuzgang des fast 600 Jahre alten ehemaligen Klosters St. Mauritius in der oberen Altstadt von Minden hat die Dompropsteigemeinde Minden ein Kolumbarium feierlich eröffnet. In einem ersten Schritt stehen Fächer für die Beisetzung von zunächst 120 Urnen zur Verfügung.

Ein Mitarbeiter eines Bestattungsinstitutes zeigt mit einer leeren Urne, wie diese in eines der Fächer im neuen Kolumbarium eingesetzt wird.

 

„Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, wer sich nach ihrem Tod um ihr Grab kümmert“, erklärt Pastor Andreas Kreutzmann von der Dompropsteigemeinde. Grabpflege sei arbeitsintensiv, Angehörige wohnten oft weit weg. „Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich heute viele Menschen für eine Feuerbestattung. Gleichzeitig wünschen sie sich einen würdevollen Ort, an dem ihre Urne beigesetzt wird.“

Das Kolumbarium solle eine Stätte sein, die Ruhe ausstrahle und den Hinterbliebenen Raum zur Trauer, zur Besinnung und zum Gedenken biete, sagt Propst am Dom Roland Falkenhahn. Mit dem Kolumbarium St. Mauritius und dem gleichzeitig entstehenden Kompetenzzentrum Trauerpastoral wolle die Domgemeinde die Trauer- und Begräbniskultur fördern und aus christlicher Perspektive gestalten, betont Andreas Kreutzmann. Dazu gehöre im Wesentlichen, die christliche Auferstehungshoffnung zu verkünden, sie lebendig zu halten, für eine lebensfreundliche Bestattungs- und Trauerkultur zu sensibilisieren und sie zu ermöglichen. „Und das an einem Ort, der seit Jahrhunderten für christliches Leben im Zentrum Mindens steht.“

Die Ursprünge der Kirche St. Mauritius reichen bis in das 11. Jahrhundert zurück, als Bischof Bruno südwestlich des heutigen Hauptbahnhofes das Benediktinerkloster St. Mauritius gründete. 1434 wurde das Kloster vom östlichen Weser­ufer an den heutigen Pauline-von-Mallinckrodt-­Platz in unmittelbarer Nähe der Simeonskirche verlegt. Das Kloster überstand die Reformation, wurde aber im Rahmen der Säkularisierung 1810 aufgehoben. Es diente dann als Pferde­stall, Lazarett und als Magazin der Soldaten. Nach 140 Jahren militärischer Nutzung konnte es 1950 wiederhergerichtet werden. Bis heute dient der Kirchenraum als Gottesdienst­ort – und zukünftig in weiteren Bauabschnitten auch als Kolumbarium.

Im Kreuzgang beigesetzt werden kann die Totenasche von Christen, die einer Konfession der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angehören, oder von Personen, die sich mit der vorgesehenen Art und Weise einer christlichen Beisetzung einverstanden erklärten, erläutert Propst Falkenhahn. In den Räumen des Kolumbariums wird außerdem das Kompetenzzentrum Trauerpastoral entstehen, in dem Menschen aus der Region auf Wunsch unterschiedliche Begleitangebote, Trost, Stärkung und Möglichkeiten zur Begegnung mit anderen Betroffenen finden. Dazu war vor zwei Jahren im Rahmen der vom Erzbistum Paderborn geförderten innovativen Projekte für die Erarbeitung und priesterliche Begleitung des Kompetenzzentrums Trauerpastoral eine halbe Personalstelle eingerichtet worden. Mit dieser Aufgabe ist Pastor Andreas Kreutzmann zurzeit noch beauftragt, der aber ab August eine neue Aufgabe in Paderborn übernimmt. Als Nachfolger steht bereits Pastor Stephan Berken­kopf fest, der im Oktober nach Minden kommt.

In einem ersten Bauabschnitt wurden im Kreuzgang von St. Mauritius Plätze für 120 Urnen erstellt. In weiteren Bauabschnitten könne das Kolumbarium unter Einbeziehung von Teilen des Kirchenraumes erweitert werden, erläutert Rudolf Bilstein vom Vermögensverwaltungsrat der Domgemeinde, der die Planungen durchführte. Mit den Einnahmen ist wohl auch der dauerhafte Erhalt des alten Klosters gesichert.

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