Boten der Liebe Gottes

Vertreter verschiedener Konfessionen und Religionen diskutierten über Engel

Arnsberg. Engel sind für viele Gläubige als himmlische Boten präsent. Sie spielen in der Bibel eine Rolle, aber auch in modernen Filmen und in der Werbung. Doch wenn es konkret wird, dann sind Engel oft schwer zu (be-)greifen. Das wurde jetzt bei einer vom Förderverein Dorf und Kloster Rumbeck veranstalteten Podiumsdiskussion im Arnsberger Mariengymnasium deutlich.

Diskutierten über Engel (v. l.): Moderator Fritz Michael Timmermann, Dr. Ahmet Arslan, Propst Hubertus Böttcher, Pfarrer Johannes Böhnke und Prior Abraham Fischer.Foto: Nückel

 

von Matthias Nückel

„Ich konnte mit Engeln erst einmal gar nichts anfangen“, gibt Pfarrer Johannes Böhnke unumwunden zu. Doch nach der Einladung zu der Diskussion habe das Nachdenken über Engel einiges ausgelöst, so der evangelische Pfarrer. Durch die unmittelbare Beziehung zu Gott spielen Engel nach Böhnkes Worten in der evangelischen Frömmigkeitstradition keine große Rolle – allenfalls am Michaelistag.

Jeder hat einen Engel, ist dagegen Propst Hubertus Böttcher überzeugt. Der katholische Priester bekennt, dass er persönlich zu diesem Engel auch bete. Denn Engel seien der Ausdruck, dass man in einer Beziehung zu Gott stehe.

Das sieht Dr. Ahmet Arslan ähnlich. Der muslimische Religionslehrer erläutert, dass Engel in seiner Religion wichtig sind. Gabriel sei Mohammed erschienen und habe ihm die ersten Verse des Koran gebracht. „Nach dem Glauben an Allah kommt der Glaube an die Engel“, so Arslan.

Einen anderen Zugang zum Thema hat Prior Abraham Fischer OSB. Als Theologe habe er gedanklich mit Engeln zu tun und als Kunstschmied gestalterisch, sagt der Benediktiner aus Meschede. So hat Pater Abraham für das Hospiz in Arnsberg eine Skulptur gefertigt, in der ein Engel angedeutet ist. „Der Engel ist einer, der uns hinüberträgt“, meint er zur Begründung.

Einig sind sich alle Beteiligten, dass Engel keine Götter sind und auch keine Menschen. „Engel sind keine Nebengottheit. Es geht immer um Christus“, betont Propst Böttcher für die katholische Kirche. „Engel sind nicht das Licht, sondern die, die das Licht durchscheinen lassen.“

Gleichwohl gibt es eine große Sehnsucht der Menschen nach Engeln. „Wir wollen gerne Wesen um uns herum haben, welche die Eigenschaften von Engeln haben“, ist Arslan überzeugt. „Alle Menschen haben das Bedürfnis nach etwas, das retten und helfen kann“, sagt der muslimische Theologe mit Hinweis auf Fernsehserien und Filme, in denen engelsgleiche Wesen vorkommen. „Der Mensch braucht eine Instanz, die in einer anderen Welt lebt, aber die uns auch begleitet“, so Arslan.

Wie konkret dieses Bedürfnis – vor allem am Lebensende – ist, schilderte sehr bewegend eine Sterbebegleiterin vom Hospiz. Sie habe Menschen erlebt, die in den letzten Tagen ihres Lebens Engel gesehen haben. Gerade in solchen Ex­tremsituationen sei eine Resonanz möglich, pflichtet Prior Abraham bei.

„Mir tut der Glaube an die Engel gut“, bekennt Dr. Arslan. „Für mich ist ein Leben ohne Schutzengel nicht vorstellbar.“ Denn Engel hätten nichts Böses im Sinn. Und oft sei ein Schutzengel im Spiel, der den Menschen trage.

Für Propst Böttcher bedeutet ein Schutzengel, dass es ein Interesse Gottes an seiner Schöpfung gebe. „Es gibt ein Angebot Gottes der Begleitung“, so Böttcher. Gott wolle die Menschen mit Liebe überzeugen, wenn er seine Boten schicke, ergänzt Pater Abraham. Dabei bleibe der Mensch in seiner Entscheidung jedoch frei. Denn Gott habe ihm die Freiheit geschenkt.

Propst Böttcher hebt zugleich die Bedeutung des Menschen in der Schöpfung hervor. „Es ist großartig, dass Jesus Christus kein Engel geworden ist, sondern Mensch“, betont er. „Mensch sein ist eine große Gnade Gottes an uns.“

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