Brot: Eine Orientierungshilfe

Als Brot des Lebens vermag Jesus den Lebenshunger der Menschen zu stillen.

Vom Brot der Liebe ist immer genug da.Foto: zettberlin/photocase

 

von Klaus Krüger

Die WhatsApp zur Zeit Jesu war das Gleichnis. So wenig Römer und Juden unsere „Emojis“ verstanden hätten, so schwierig ist es im Zeitalter der „Kurz-Nachrichten“, so etwas „bildhaftes“ wie ein Gleichnis zu verstehen. „Kurz-Nachrichten“ und Gleichnisse haben etwas gemeinsam. Beide verweisen auf Inhalte, die in „Klarschrift“ sehr viel mehr Worte benötigen.

Ein Fisch-Symbol bedeutet: Christ (Fisch / griechisch: ICHTHYS – Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser). Ein Brot-Symbol könnte auf das aktuelle Sonntagsevangelium verweisen. Im Gleichnis-Bild des Brotes geht es nicht um Kalorien. Jesus spricht vom Lebenshunger, der nur gestillt werden kann, wenn der Tod überwunden wird. Für uns Menschen ist eine „Nahrung“ hierfür unvorstellbar, da wir alle sterben müssen. Die Vorstellung, dass man mit dem Sterben nicht das Leben verliert, ist für unseren Verstand absurd.

Dennoch, Jesus bleibt dabei: Diese „Nahrung“ gibt es. Er geht noch weiter und sagt, dass er selbst das Brot des Lebens ist, das den Tod überwunden hat und den Lebenshunger stillt. Er kommt von dort, wo das Leben seinen Ursprung hat, von Gott, unserem Vater. Und das Leben, das Gott schenkt, ist unüberwindbar. Aber wie soll man das glauben?

Menschen haben Lebenshunger und Wissensdurst. Die „Leute“ wollten ein Zeichen. Jesus sollte ein Wunder tun. Wunder können aber unseren Wissensdurst nicht löschen. Sie liefern nichts, wonach unser Verstand dürstet. Nach dem Wunder ist man genau so schlau wie vorher. Der Lebenshunger bleibt, der nichts anderes ist als die Angst vor dem Tod.

Jesus sagt, er sei das Brot des Lebens und nicht das Wasser der Erleuchtung. Er verweist auf den Weg des Glaubens, der durch die Liebe zur Erkenntnis führt. Auf diesem Weg bleibt er bei uns als das Brot, das Glaube, Liebe und Hoffnung stärkt.

Wer seinen Wissensdurst stillen will, muss in den Grenzen des Verstehbaren bleiben. Ein schwerer Weg; denn Wissen muss man sich erarbeiten und dennoch bleibt alles, was wir nicht verstehen, Realität. Das ist auf dem Weg des Glaubens auch nicht anders. Wer aber nur glaubt, was er sieht, verliert im Dunkeln die Orientierung. Das meiste der Realität bleibt für uns im Dunkeln. Unsere Ängste, Bedürfnisse, Interessen und der Wissens­durst suchen das Licht. Aber nicht alles, was im Dunkeln funkelt, taugt zur Orientierung.

Die Gefahr, Irrlichtern zu folgen, ist groß. Im Zeitalter der „Kurz-Nachrichten“ gibt es davon mehr als je zuvor. Folgt man ihnen, wie eine Motte dem Licht, werden Fake News zum „Evangelium“, weil diese versprechen, was wir hören wollen. Mit diesem Irrlichtgewitter gewinnen andere Macht über uns. Das verstärkt unsere Ängste, enttäuscht unsere Bedürfnisse und schadet unseren Interessen. Mit großem Erfolg hauen Populisten „Sprüche raus“ und prügeln mit Totschlagargumenten auf ihre Gegner. Global und lokal werden Gräben immer tiefer. Die einen sind wohlstands­adipös (wohlstandsfett) und haben Verlustängste. Für die anderen werden die Grenzen der Solidarität undurchlässiger. Fremdes wird zur Bedrohung und Fremde zu dunklen Gestalten. Orientierung für ein erfülltes und sinnvolles Leben sieht anders aus.

Auf dem Weg, den Jesus vorlebt, sind Wissensdurst und Lebenshunger kein Widerspruch; denn Wissenschaft und Forschung ersparen dem Glauben die Wunder und der Wissensdurst entdeckt auf dem Weg der Liebe neue Quellen der Erkenntnis. Wer hier seine Orientierung sucht, teilt auch verlustangstfrei das Brot von seinem Tisch und das Brot des Lebens, von dem immer genug da ist für alle.

Zum Autor:

Diakon Klaus Krüger ist Mitarbeiter am Johann-Adam-Möhler-­Institut für Ökumenik in Paderborn und Polizeiseelsorger.

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