Corporate Identity der Christen

Gedanken zu Joh 13,31-33a.34-35

Stoppi, das Logo der 72-Stunden-Aktion des BDKJ, die am kommenden Donnerstag in ganz Deutschland startet. Foto: BDKJ

 

Die Liebe, die an Jesus Maß nimmt, ist das Erkennungsmerkmal der Christen.

von Bernhard Schröder

Die Gesamtheit der Merkmale, die ein Unternehmen von anderen unterscheidet, nennt man heutzutage Corporate Identity. Dazu gehören etwa das Logo, die Gestaltung der Geschäftsdrucksachen, die Firmenkultur, sehr oft auch eine spezielle Kleidung bzw. Uniform. Dadurch präsentiert sich die Institution unverkennbar nach außen. Ganz deutlich ist dies zum Beispiel bei der Polizei, der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, beim Hotelpersonal.

Woran man nun die Jünger Jesu und damit uns als Christen erkennen soll – unsere Corporate Identity –, sagt Jesus im heutigen Evangelium ganz unmissverständlich: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13,34 f.). Diese Worte hat Jesus in seinen Abschiedsreden gesprochen, sie sind sein letzter Wille, sein Testament für uns.

Nun ist aber das Gebot der Nächstenliebe bereits im Alten Testament festgeschrieben. Warum spricht Jesus dann von einem neuen Gebot? Das Neue an seiner Weisung ist, dass die Liebe an der Liebe Jesu Maß nehmen soll: „... wie ich euch geliebt habe“. Wir merken sofort, das ist ein hoher Anspruch, der uns eher entmutigen als anspornen kann; denn seiner Liebe werden wir niemals gleichkommen. Jesus hat uns bis zum Letzten – zum Tod – geliebt und liebt uns bis zum Letzten. Er will uns ein Vorbild sein, wie wir mit unseren Freunden und auch mit unseren Feinden umgehen sollen, wobei zu den Feinden alle diejenigen gerechnet werden können, die wir nicht ausstehen können, die uns auf die Nerven gehen, die uns verletzt haben und an uns schuldig geworden sind, denen wir nicht vergeben können. Und da gilt nach der Maßgabe des Herrn nicht Auge um Auge (vgl. Mt 5,38), sondern wir sollen handeln nach der Devise, dass das Gute stärker ist als das Böse. Uns fallen dabei seine radikalen Worte aus der Bergpredigt ein, wo es heißt, dass man nach einem Schlag auf die rechte Wange die linke hinhalten soll (vgl. Mt 5,39). Wenn wir dieses alles bedenken, dann spüren wir überdeutlich, wie schwierig das im Einzelfall ist und wie oft wir überfordert dahinter zurückbleiben.

Wie kann die Liebe zum Nächsten aussehen? Liebe, die solidarisch und respektvoll ist, die erkennt, was den anderen verletzt und kaputtmacht und dann mit Hilfe bereitsteht. Wirkliche Liebe sieht im Nächsten keinen Konkurrenten oder Feind, sondern sieht in ihm ein Ebenbild Gottes. Echte Liebe kann sich herzlich mitfreuen, aber auch anteilnehmend und tröstend mitleiden und mittrauern. Wahre Liebe lässt vernichtende Vorurteile dahinschmelzen und entdeckt im Nächsten das Gute und Wertvolle.

Liebe beschämt den anderen nicht, sondern schützt ihn. Echte Liebe blendet Gerechtigkeit niemals aus, bemüht sich aber stets um Versöhnung, Vergebung und ermöglicht mit ausgestreckter Hand einen neuen Anfang.

Wenn wir diese Impulse in unser Inneres aufnehmen, dann geht uns auf, wie schwierig die von Jesus geforderte Liebe zum Nächsten im Einzelfall ist. Diese Tatsache begleitet uns unser ganzes Leben wie ein Schatten, den wir nicht loswerden können. Der evangelische Theologe Karl Barth wurde eines Tages gefragt, ob man im Himmel auch alle geliebten Menschen wiedersehen werde. Ja, habe der Professor geantwortet, aber alle anderen auch.

Das Gebot Jesu, den Nächsten zu lieben, bleibt eine heilige Verpflichtung, eine Herausforderung und eine Aufgabe für unser ganzes Leben. Wenn wir es manchmal nur bruchstückhaft zu erfüllen vermögen oder es uns gar nicht gelingen will, dürfen wir uns immer wieder von Neuem von der größeren und vergebenden Liebe des Herrn beschenken lassen und kraftvoll neu beginnen.

So haben wir die großartige Aufgabe, an der Corporate Identity des christlichen Lebens nach dem Willen Jesu kraftvoll mitzuwirken.

Zum Autor:

Monsignore Bernhard Schröder ist Subsidiar im Pastoralverbund Kirchspiel Drolshagen und Präses des Diözesan-­Cäcilienverbandes Paderborn.

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