„Das Ehrenamt ist kein Auslaufmodell“

Die Caritas dankte allen Engagierten mit einem Fest zum Abschluss der Kampagne „Hilfe durch Dich!“

Andreas Hense und Christian Strupp (von links) stellten das Projekt „Ostparkschrauber“ vor.

 

Dortmund. Hilfe für Neugeborene, kochen mit Geflüchteten, eine Smartphone-Sprechstunde – das alles und noch vieles mehr leisten Ehrenamtliche. Ihnen zu Ehren und vor allem als Dank veranstaltete der Caritasverband Dortmund ein Fest im Garten des Franziskanerklosters am Ostpark. Die Veranstaltung war zudem der Abschluss der Jahreskampagne „Hilfe durch Dich!“ Und dort bekamen die rund 250 Anwesenden die Gelegenheit, für das Ehrenamt zu werben.

Das taten zum Beispiel Irmgard und Ulrich Kirchhoff aus Kirchderne. Das Lehrerpaar im Ruhestand arbeitete ehrenamtlich in den beiden Flüchtlingsunterkünften in Derne mit. Schnell merkten die beiden, was sich die Geflüchteten wünschten: „Sie hatten zwar Küchen und Kühlschränke“, erklärt Ulrich Kirchhoff im Gespräch mit der Journalistin Ina Daniel, „sie hatten aber keine Gelegenheit, in einer Gruppe gemeinsam zu kochen.“ Irmgard Kirchhoff erinnerte sich, dass ihre Heimatgemeinde St. Bonifatius in Kirchderne eine geeignete Küche hat. Und so fand sich eine Gruppe, die einmal im Monat gemeinsam kocht, „20 bis 25 Leute sind es jedes Mal“, sagt Irmgard Kirchhoff.
 
Doch das Essen ist nur ein Aspekt. „Es gibt ein unheimliches Bedürfnis, ins Sprechen zu kommen“, ergänzt ihr Mann. Deutschkurse seien wichtig, doch die Praxis im Alltag ebenso. „Wir wünschen uns noch mehr Deutsche als Gesprächspartner“, schloss Irmgard Kirchhoff ihre Ausführungen. Sie hat übrigens ihren ganz eigenen Vorteil aus dem Projekt gezogen: „Neu ist für mich, dass man aus den Lebensmitteln, die wir hier haben, ganz andere Gerichte kochen kann.“
 
Mit geflüchteten Menschen haben auch Andreas Hense und Christian Strupp zu tun. Sie gehören zum Team der „Ostparkschrauber“, die sich beim Ehrenamtsfest ebenfalls präsentierten. Gemeinsam mit den Bewohnern der Unterkunft Am Ostpark, die die Caritas betreibt, restaurieren sie gebrauchte Fahrräder. Mit denen sind Geflüchtete dann mobil, können etwa Behördengänge erledigen. „Über 450 Räder haben wir in drei Jahren bearbeitet“, fasst Christian Rupp zusammen. Als weniger Menschen in der alten Hauptschule lebten, boten die Schrauber ihre Dienste unter anderem der Lessing-Grundschule an. Und für Christian Strupp wurde das Hobby sogar zum Beruf.
 
Neue Erfahrungen in einer für sie neuen Welt sammeln auch Svenja Preuss und Birgit Görgner. Beide engagieren sich bei der Aktion „Warm durch die Nacht“, die „young­caritas“ in ganz Dortmund anbietet. Dabei suchen die Ehrenamtler gezielt Kontakt zu Obdachlosen. Für Birgit Görgner ist es wichtig, dass man nicht nur Nahrung oder wärmende Schals verteile. „Es geht um Zuwendung, darum, ins Gepräch zu kommen.“ Wertschätzung wolle man den Menschen entgegenbringen, die sonst übersehen werden. Und helfen, wenn die Not besonders groß ist. „Einem Obdachlosen wurde zum Beispiel sein Fahrrad geklaut“, erinnerte sich Svenja Preuss. Per Facebook habe sie ihm schließlich einen Ersatz organisiert – der Mann konnte sein Glück nicht fassen. Doch warum opfert man seine freie Zeit, um anderen zu helfen? Birgit Görg­ner betont: „Weil ich etwas zurückgeben möchte.“
Caritaspfarrer Michael Ortwald ermunterte die Anwesenden zudem, Werbung für das Ehrenamt zu machen: „Sie sind Servicecenter auf zwei Beinen.“ Denn dieses Engagement sei ein „Zeugnis von Solidarität untereinander“. Ähnlich sah es auch Georg Rupa, der Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Dortmund. „Das Ehrenamt ist weder ein Auslaufmodell noch ein Ladenhüter.“ Vielmehr passe es sich den Gegebenheiten an und verändere sich.
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