Das Zelt Gottes im Kurwald

Die Friedenskapelle in Bad Lippspringe ist seit 30 Jahren eine beliebte Pilgerstätte

Bad Lippspringe. Zusammen mit Weihbischof Matthias König haben der Verein „Friedenskapelle e. V.“ und die Kolpingsfamilie Bad Lippspringe eine Messe an der Kapelle im Bad Lippspringer Kurwald gefeiert, um an deren Errichtung vor 30 Jahren zu erinnern. An der Feier nahmen 250 Gläubige teil.

Die Friedenskapelle fügt sich harmonisch in die Landschaft des Kurwaldes ein. Auch deshalb wurde dieser stille Ort ein Anziehungspunkt für viele Besucher der Landesgartenschau.Foto: Flüter

 

von Karl-Martin Flüter

Die große Zahl der Teilnehmer war nicht überraschend. Schon immer war die Friedenskapelle ein Anziehungspunkt im Kurwald. Mit dem Beginn der Landesgartenschau hat sich die Attraktivität der Kapelle noch gesteigert.

Seit Anfang April besuchten etwa 250 Menschen täglich diesen stillen Ort, der im Zen­trum der Landesgartenschau liegt, und entzündeten dort ein Licht. „Insgesamt waren es seit Anfang April 40 000 Menschen“, sagte der Vorsitzende des Vereines, Paul Bunse, „und jedes Licht steht für ein Gebet.“

Paul Bunse erinnerte an die Anfänge. Auf Betreiben des damaligen Kolping-Vorsitzenden Ewald Thiele wurde im März 1986 ein Kapellen-Bauverein gegründet. Schon ein gutes Jahr später, am 26. September 1987, weihte Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt die Kapelle ein.

Der Entwurf von Architekt Ralf Böhme erinnert an das „Zelt Gottes“. Der rechteckige Grundriss und das gefaltete Dach machen die Symbolik deutlich. Im Alltag schirmt ein durchscheinendes Gitter den Altar ab, bei Gottesdiensten und Andachten wird es zur Seite geschoben und schafft so einen schützenden Rahmen.

Eine Pietà in der Mitte der Kapelle und zwei Reliefs mit den Abbildern von Klaus von Flüe und Adolph Kolping schmücken den Innenraum.

Das Gelände, auf dem die Kapelle steht, ist idyllisch in die leicht gewellte Topografie des Kurwaldes eingefügt. Eine kleine vorgelagerte Grotte mit dem Bild der Heiligen Familie wird ebenfalls häufig von Betenden aufgesucht.

Nach Klaus von Flüe heißt die Pilgerstätte „Bruder-Klaus- Friedenskapelle“. In einer Wandnische befindet sich hinter einem Bronzegitter ein Reliquiar mit Reliquien des Heiligen. Auch Adolph Kolping ist nicht ohne Grund in der Kapelle abgebildet. Wie der heilige Klaus von Flüe steht er für den politischen und sozialen Frieden. So ist die Botschaft der Kapelle nicht nur spirituell, sondern durchaus auf die Realität bezogen. Das betonte Paul Bunse in seinem Grußwort vor dem Gottesdienst.

Weihbischof Matthias König erinnerte an die Beziehung des Vereines „Friedenskapelle“ zu der Brasilien-Initiative AVICRES. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Karten und Kerzen gehen zu einem großen Teil an die Initiative, die in der Nähe von Rio de Janeiro Kindern hilft.

In den vergangenen Monaten hat sich die Friedenskapelle zu einem beliebten Ort der Landesgartenschau entwickelt. Die Stille des Kiefernwaldes umher, der weite Blick und die ungewohnte Architektur lassen die Besucher zur Ruhe kommen. So ist die Kapelle zu einer Pilgerstätte geworden, die von Mitgliedern der Kolpingsfamilie betreut wird. Ein festes Team sorgt dafür, dass Betende stets Kerzen vorfinden.

Nach dem Ende der Landesgartenschau bleibt die Kapelle bis zum 19. November geschlossen. Doch schon im Advent finden dort wieder zwei Andachten statt. Für das kommende Jahr sind wie in der Vergangenheit Fasten- und Maiandachten sowie im Oktober Rosenkranzandachten vorgesehen.

Ein fester Termin ist am Palmsonntag der Kreuzweg. In diesem Jahr wurde ein neuer Kreuzweg durch den Kurwald angelegt und eingeweiht. Er beginnt und endet an der Kapelle und führt an modernen Stahlstelen vorbei, die der Bad Lippspringer Künstler Hans Heinemann, ein Kolpingbruder, gestaltet hat.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel