„Der Alltag ist der Weg zu Gott“

Tag des Siegener Caritasverbandes zur Zukunft des Ehrenamtes

Siegen. „Ehrenamt, bist du noch zu retten?“ Zu dieser Frage hatte der Caritasver­band Siegen-Wittgenstein e. V. die Ehrenamtlichen der Caritas-Konferenzen des Dekanates Siegen eingeladen. Rund 100 von ihnen kamen in den großen Saal der St.-Marien-Gemeinde im Häutebachweg in Siegen. Insgesamt gibt es derzeit im Kreis Siegen-Wittgenstein über 800 Ehrenamtliche in der Caritas.

Diskutierten Faktoren, die das Ehrenamt erfolgreich machen (v. l.): der Landtagsabgeordnete und ehrenamtliche Vorsitzende des DRK Siegen-Nord, Jens Kamieth, Wolfgang Ax vom Projekt „Hörst du mich?“ und Siegens Caritas-Vorstand Matthias Vitt.Foto: Caritas Siegen

 

Nach einem inspirierenden Gottesdienst mit Pfarrer Friedhelm Rüsche in St. Marien zog Franz Meurer, Priester in Köln-­Höhenberg und -Vingst, und bekannt aus zahlreichen Fernsehauftritten, die Zuhörer in seinen Bann. Mit Kölner Dialekt referierte Meurer mit deutlichen Worten über die tätige Nächstenliebe „an Armen, Witwen und Waisen“.
In den Stadtteilen Höhenburg und Vingst seien 27 Prozent der Bewohner verschuldet: „Da weiß man doch, dass es hinten und vorne nicht reicht!“ In seiner Kirchengemeinde engagieren sich weit über 500 ehrenamtliche Mitarbeiter, die Lebensmittel, Kleider und Fahrräder an die bedürftigen Familien verteilen. „Der Papst sagt ja auch: ‚Verkündigt das Evangelium notfalls mit dem Wort!‘ Der Alltag ist aber der Weg zu Gott!“, ist sich Meurer sicher.

Nach der Mittagspause informierten sich die Besucher über verschiedene ehrenamt­liche Caritasprojekte wie die Caritas-Rumänienhilfe in Ru­dersdorf, den Mobilen Spielplatz am Heckersberg, das Projekt „Urlaub ohne Koffer“, den Mittagstisch „Guten Appetit“, die „Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ der Malteser, die Kleiderstube Kreuztal, die young­caritas, die Frischzelle und das Projekt „Hörst du mich?“. Im Austausch mit den Projektbeteiligten wurden gelingende Faktoren identifiziert, die für den Erfolg von freiwilligem Engagement wichtig sind: zum Beispiel eine klare und begrenzte Aufgabenbeschreibung, das Tun mit Gleichgesinnten in einer Gruppe, die ehrenamtliche Tätigkeit als eine Bereicherung für das eigene Leben anerkennt, sowie Wertschätzung und Anerkennung für den Einsatz. Dies seien zentrale Merkmale, um auch in Zukunft Menschen für ehrenamtliches Engagement zu gewinnen, hieß es.

Im anschließenden Podiumsgespräch, zu dem Matthias Vitt, Vorstand des Caritasverbandes Siegen-Wittgenstein, aufgerufen hatte, diskutierten Wolfgang Ax, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Projektes „Hörst du mich?“, Anja Freundt, Mitglied des Vorstandes der Caritas-Konferenzen im Erzbistum Paderborn, Michael Mendelin von der Fachstelle für Personal- und Organisationsentwicklung des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn sowie Jens Kamieth, Landtagsabgeordneter und ehrenamtlicher Vorsitzender des DRK Siegen-Nord über die Ergebnisse der Arbeitsgruppen.

Matthias Vitt sagte in seinem Schlussplädoyer: „Es ist wichtig, dass wir das Bestehende wertschätzen und gleichzeitig wahrnehmen, dass sich die Lebenssituationen der Menschen verändern – auch ehrenamtliches Engagement wird sich verändern müssen. Wenn wir uns trauen, neue Wege zu gehen, dann ist das Ehrenamt zu retten.“

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