Der Glaube verdunstet

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland haben ihre Jahresstatistiken vorgelegt. Diese zeigen, dass der Trend sinkender Mitgliedszahlen ungebrochen ist (siehe in der Print-Ausgabe vom Dom Nr. 30 vom 29. Juli, Seite 12). Ein Grund ist ganz offensichtlich: Es ist der demografische Wandel. Die Zahl der Todesfälle ist größer als die der Taufen.

Foto: w.r.wagner / pixelio

 

Sehr hoch ist aber auch noch die Zahl der Kirchenaustritte. Die Gründe dafür sind sicher vielfältig. Die einen wollen die Kirchensteuer sparen, die anderen haben sich vielleicht in ihrer Gemeinde vor Ort geärgert. Der Hauptgrund jedoch liegt meines Erachtens darin, dass der Glaube im Leben der Menschen eine immer geringere Rolle spielt.

Ich wage die These: Die Zehn Gebote sind bis weit in christliche Kreise hinein nicht mehr mehrheitsfähig. So gibt es heute viele fremde Götzen, die an die Stelle Gottes getreten sind – Geld, Macht, Karriere und der Psychiater ersetzt das Gebet. Der Schutz des Sonntags wird auch von Christen nicht mehr ernst genommen, sondern immer mehr den Interessen der Wirtschaft geopfert. Und selbst das Gebot „Du sollst nicht töten“ wird relativiert, wie man etwa bei Debatten um die Sterbehilfe erfahren kann.

Die Kirche als „Sozialbetrieb“ mit Kindergärten, Krankenhäusern, Caritas und Schulen wird von den Menschen immer als selbstverständlich angenommen. Der Hauptgrund für die Existenz der Kirche – nämlich die Verkündigung des Wortes Gottes – spielt allerdings für viele Menschen keine Rolle mehr.

Ein Patentrezept, diesen Trend zu ändern, gibt es nicht. Doch es ist gewiss, dass Gott seine Kirche in 2000 Jahren nicht im Stich gelassen hat – und wir alle können dazu beitragen, dass es auch künftig so bleibt.

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