Der inszenierte Tod

Geistlicher Glaubensimpuls

Eigentlich gibt es doch nur zwei große Themen im Leben: die Liebe und den Tod. Und vielleicht sind sie deshalb so groß, weil sie so rätselhaft sind. Denn bitte: Was ist die Liebe? Und was ist der Tod? Irgendwas haben beide miteinander zu tun, aber was genau?

Als die Sonne nach einem Gewitter durchbricht, stirbt Hans Beimer. Foto: Oliver Mohr

 

von Claudia Auffenberg

Künstler aller Sparten und Theologen aller Religionen befassen sich seit Menschengedenken mit diesen beiden Themen, suchen nach Antworten oder nach Bildern für diese Bereiche des Lebens, in dem die Sprache an ihre Grenzen kommt.

Am vorletzten Sonntag nun saß die Nation oder jedenfalls ein Teil davon vor dem Fernseher, um Hans Beimer, dem Ex-Mann von Mutter Beimer, also einem Urgestein der Lindenstraße, beim Sterben zuzusehen. Man kann das nun alles reichlich trivial finden, aber es ist eben doch interessant, wie das Fernsehen den Tod inszeniert, wenn es nicht um Mord und Totschlag gehen soll – was ja an sich schon eine Seltenheit ist. Eine Figur wie Hans Beimer, die über Jahrzehnte die Zuschauer begleitet hat und zu einem guten Bekannten geworden ist, muss man so verabschieden, dass die Zuschauer damit weiterleben können und weiter „Lindenstraße“ gucken. Er muss also so sterben, wie wir es uns wünschen. Und so haben sie es gemacht: Hans stirbt im Wald, also in freier Natur. Er stirbt nach einem Gewitter, als der Himmel wieder aufklart. Er stirbt in Gegenwart seiner Exfrau Helga und seiner jetzigen Frau Anna. Mit Helga hat er sich wenige Minuten zuvor – nach einem letzten Streit – grundlegend versöhnt, und Anna herzlich in die Arme geschlossen, als sie die beiden im Wald gefunden hat. Dann sitzen sie zu dritt in einem Unterstand: Anna versorgt Helgas verknacksten Fuß, sie essen miteinander, es gibt ein einfaches Mahl. Die Sonne kommt durch und scheint Hans ins Gesicht. Er sagt: Das ist kein Ende, das ist erst der Anfang. Und stirbt.

Versöhnung, Heilung, Mahl, Licht; Bilder, mit denen das Fernsehen den Tod inszeniert, Bilder, die von der großen Hoffnung sprechen, die anscheinend quotentauglich ist: dass nämlich am Ende alles gut wird.

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