An der Sakristei summt und brummt es

„Ökosystem Dom“ bietet Bienen, Falken und Fledermäusen eine Heimat mitten in der Innenstadt

Paderborn. Als Wahrzeichen von Paderborn, gotisches Gotteshaus und Bischofskirche hat der Dom viele „Gesichter“. Dass das imposante Bauwerk auch Heimat und Zuhause einer ganzen Reihe von Tieren ist, dürfte allerdings nur derjenige bemerken, der ganz genau hinsieht oder -hört.

Die drei Hasen, der Pfau des heiligen Liborius und lebendige Bienen: Imker Thomas Rikus freut sich über den Standort seiner Völker am Dom. Foto: Wiedenhaus

 

von Andreas Wiedenhaus

Unter der Treppe zur Sakristei des Domes ist „richtig was los“: Die Luft ist erfüllt vom Summen und Brummen Tausender Bienen. Zwei Völker hat Thomas Rikus vom Imkerverein Salzkotten dort platziert und ist begeistert: „Die Bienen fühlen sich sehr wohl, das Mikroklima am Dom ist sehr gut!“ Die Stöcke stünden geschützt, die Tiere hätten eine freie Flugbahn und bereits nach etwa drei Metern Flug eine so hohe Flugbahn erreicht, dass sie niemand mehr bemerke und sich durch die Bienen belästigt fühlen könne, sagt der Imker, der als Mitglied des „Bioland-Verbandes“ biozertifizierten Honig produziert: „Daher haben wahrscheinlich auch die wenigsten Paderborner bisher gemerkt, dass überhaupt Bienen am Dom beheimatet sind.“

Auch Dompropst Joachim Göbel sind die fleißigen „Untermieter“ sehr willkommen: „Wir sind glücklich darüber, dass Tiere unsere Bischofskirche als Heimat haben“, sagt er, denn auch Falken und Fledermäusen bietet die Kathe­drale ein Zuhause: „Was gibt es Schöneres als die Vielfalt von Gottes Schöpfung unmittelbar an einem Gotteshaus beobachten zu dürfen? Als Kirche tragen wir den biblischen Auftrag an den Menschen, die Schöpfung zu bewahren und zu behüten, weiter. Mit dem Dom haben wir einen prominenten Standort, um das Thema ,Bewahrung der Schöpfung anderen Menschen bewusst zu machen.“

Vor diesem Hintergrund bekomme das Leitwort „behütet und bedacht“ der Feierlichkeiten zum 950-jährigen Jubiläum des Imad-Domes noch einmal eine ganz eigene Komponente, freut sich der Dompropst.

Schon lange ist bekannt, dass ein Turmfalken-Paar an der Südseite des Domes nistet. „Das Männchen beobachte ich schon seit 15 Jahren. Es kommt jedes Jahr zum Nisten an den Domturm, denn Falken sind sehr reviertreu“, weiß Thomas Benkel, der sich ehrenamtlich als Ornithologe engagiert: „Im vergangenen Jahr sind vier Jungfalken vom Domturm ausgeflogen.“ Das sei sehr erfreulich, denn Falken seien aufgrund von zunehmend ungünstigeren Umweltbedingungen wie Windrädern oder Strommasten gefährdet.

Um daher den Falken beste Nistbedingungen am Dom zu ermöglichen, wird bei den derzeitigen Baumaßnahmen am Turm besondere Rücksicht genommen. „Wir haben den Domturm zu Beginn der Baumaßnahmen über mehrere Wochen nur von drei Seiten eingerüstet, um die Nisttätigkeit der Tiere nicht zu stören. Da die Turmfalken an der Südseite nisten, stört sie auch der derzeitige Einbau der neuen Glocken keineswegs“, erläutert Björn Kastrup aus dem Bauamt des Erzbischöflichen Generalvikariates. Und Turmfalken tragen auch zur natürlichen Eindämmung der Tauben-­Population bei, denn diese stehen auf dem Speiseplan der Raubvögel.

Auch Fledermäuse, wie das Große Mausohr oder die Zwergfledermaus – typische „Kirchenfledermäuse“ –, finden im Turm ideale Bedingungen, um ihre Jungen aufziehen zu können.„Bei solch einem historischen und architektonisch einmaligen Bauwerk wie dem Paderborner Dom ist es nicht leicht, die Balance zu halten: das Fernbleiben bestimmter Tiere wie Tauben sicherzustellen und Nischen zu schaffen für Tiere, deren natürlicher Lebensraum bedroht ist“, macht Dompropst Göbel die Herausforderung deutlich.

Für die Bienen soll auf jeden Fall noch mehr getan werden: Bei den anstehenden landschaftsbaulichen Neugestaltungen rund um den Dom sollen beispielsweise besonders insektenfreundliche Blumen gepflanzt werden.

Dass sich dieser Einsatz lohnt, zeigte eine erste Verkostung des „Dom-Honigs“: Er schmeckte allen ganz hervorragend!

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