Die Einheit im Blick

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Papst Franziskus hat den Katholiken in Deutschland einen Brief geschrieben. Das kommt nicht alle Tage vor, doch angesichts des Beschlusses der deutschen Bischöfe, einen sogenannten ‚synodalen Weg‘ einzuschlagen, scheint der Papst die Notwendigkeit für einige Klarstellungen zu sehen.

Foto: Simone Hainz / pixelio

 

Die Reaktionen in Deutschland auf das Schreiben aus Rom sind durchweg positiv. Allerdings setzen unterschiedliche Kommentatoren völlig verschiedene Akzente bei der Bewertung des Briefes. Die 19 Seiten beinhalten in der Tat für jeden etwas. So lobt Franziskus die Bemühungen der Bischöfe und Laien in Deutschland. Und er betont, dass die Ortskirchen über alles reden und ihre Anliegen auch in Rom vorbringen können. Auf der anderen Seite warnt der Papst vor der Annahme, dass Strukturänderungen in der Kirche das Heil bringen könnten. Und er hebt hervor, dass über allem das Anliegen der Evangelisierung stehen müsse.

In seinem Brief warnt der Papst zugleich vor „Eigenbrötelei“ und mahnt den „sensus ecclesiae“ an, also das Gefühl für die Kirche – und damit meint er die Weltkirche. Die Furcht vor einer Kirchenspaltung durch regionale Sonderwege wird in folgendem Satz besonders deutlich: „Achten wir auf die Versuchung durch den Vater der Lüge und der Trennung, den Meister der Spaltung, der beim Antreiben der Suche nach einem scheinbaren Gut oder einer Antwort auf eine bestimmte Situation letztendlich den Leib des heiligen und treuen Volkes Gottes zerstückelt!“

Papst Franziskus hat die Einheit der Weltkirche im Blick. Und das ist auch seine Aufgabe. Jetzt liegt der Ball bei der Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Sie werden den

synodalen Weg unter Berücksichtigung des Papst-Schreibens gestalten müssen. Das wird kein leichter Weg werden.

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