Ein Segen für jedes Haus

Rund 20 000 Kinder und Jugendliche sind in diesen Tagen im Erzbistum als Sternsinger unterwegs

Mit Stern und Sammelbüchse machen sich um den 6. Januar herum Tausende Kinder und Jugendliche auf den Weg, um als Sternsinger Segen zu bringen – und Segen zu sein. Foto: BDKJ

 

Erzbistum. Sie bringen den Segen für das neue Jahr in jedes Haus und sammeln Spenden für Not leidende Kinder: Zum 60. Mal sind in diesen Tagen die Sternsinger unterwegs. „­Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“, heißt das Leitwort der Aktion Dreikönigssingen 2018, bei der in allen 27 deutschen Bistümern wieder Kinder und Jugendliche in der Nachfolge der Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür ziehen.

Mit ihrem Motto machen die Sternsinger gemeinsam mit den Trägern der Aktion – dem Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) – darauf aufmerksam, wie sehr Kinder weltweit unter gefährlicher, gesundheitsgefährdender und ausbeuterischer Arbeit leiden.

Auf ihrem Weg zu den Menschen haben die Sternsinger in diesem Jahr ein schweres Thema im Gepäck: Kinder­arbeit. Für 152 Millionen Mädchen und Jungen, so die aktuellen Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, ist Arbeit tägliche Realität. Indien, Beispielland der Aktion, ist das Land mit den meisten arbeitenden Kindern weltweit. Die Schätzungen internationaler Organisationen schwanken zwischen 12 und 60 Millionen Kindern, die dort arbeiten müssen – oft unter gefährlichen, gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Geschätzt ein Drittel der arbeitenden Kinder zwischen 5 und 14 Jahren weltweit besucht keine Schule. Dabei sind gerade eine schulische Bildung und eine spätere Berufsausbildung entscheidend, um den Teufelskreis aus Armut und ausbeuterischer Arbeit durchbrechen zu können.

„Armut und ein fehlendes gesichertes Einkommen der Eltern sind die Hauptursachen von Kinderarbeit“, so Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Kindermissionswerkes „Die Sternsinger“. „Neben Gesetzen gegen Kinderarbeit sind deshalb staatliche und zivil­gesellschaftliche Programme nötig, die einen Weg aus der Armut ermöglichen und Familien in die Lage versetzen, auf den Lohn ihrer Kinder verzichten zu können.“

Armut und Ausbeutung bekämpfen, Schulbesuch fördern, arbeitende Kinder zu Wort kommen lassen, das eigene Konsumverhalten überprüfen – so lauten einige der Forderungen der beiden Aktionsträger. „Auch bei Formen ausbeuterischer Kinderarbeit geht es um Produkte, die nach Deutschland exportiert werden“, so Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). „Wenn wir weniger konsumieren und Produkte aus dem Fairen Handel bevorzugen, nehmen wir unsere Verantwortung in globalen Fragen wahr. Auch das ist ein wichtiger Faktor bei der Bekämpfung von Kinderarbeit.“

In der Zusammenarbeit mit Projektpartnern weltweit werden die genannten Forderungen in die Tat umgesetzt. Wichtig ist dabei ein genauer Blick auf die Realitäten vor Ort, denn die Forderung nach einer generellen Abschaffung von Kinderarbeit greift oft zu kurz. Partner der Sternsinger entwickeln zum Beispiel alternative Bildungsangebote, damit arbeitende Kinder lernen und in Regelschulen integriert werden können. Sie helfen Familien, ihr Einkommen zu verbessern, um so den Verdienstausfall der Kinder auszugleichen. Lokale Kinderschutzkomitees schaffen eine Lobby für arbeitende Kinder und geben ihnen eine Stimme.

Die langfristige Perspektive ist indes deutlich: Die Sternsinger setzen sich ein für eine Welt, in der Kinder spielen, lernen und einfach Kind sein dürfen.

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