Einmal arm, immer arm?

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Foto: Peter Ries Düsseldorf / pixelio

 

Die Ergebnisse der jüngsten Studie der Bertelsmann-­Stiftung zur Kinderarmut in Deutschland sind ein Skandal. Die Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass 21 Prozent aller Mädchen und Jungen in Deutschland dauerhaft oder wiederkehrend in einer Notlage leben. Weitere 10 Prozent sind kurzzeitig von Armut betroffen.

Als arm gelten laut Untersuchung Menschen, die in Haushalten leben, denen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung steht oder die staatliche Grundsicherungsleistungen beziehen. Und das sind die Zahlen: Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen lag 2016 bei 3 132 Euro im Monat. 60 Prozent davon sind 1 879 Euro. Wenn ein Single-Haushalt dieses Geld zur Verfügung hat, ist dies viel. Bei einer Familie mit zwei Kindern allerdings ist es wenig. Besonders häufig von Armut betroffen sind deshalb auch Kinder allein­erziehender Elternteile, solche mit mindestens zwei Geschwistern oder mit gering qualifizierten Eltern.

Das besonders Schlimme an der Situation ist, dass diese Kinder kaum Chancen haben, aus der Armut herauszukommen. Armut wird in Deutschland „vererbt“. Das liegt nicht zuletzt auch an den schlechteren Bildungschancen ärmerer Kinder. Nachhilfe kann sich nur leisten, wer genügend Geld hat!Ludwig Erhard, der Vater der sozialen Marktwirtschaft, prägte einst das Leitwort „Wohlstand für alle“. Eine soziale Spaltung hat er nicht gewollt. Er stünde heute sicher an der Spitze derer, die die Armut beseitigen wollen.

„Die Bekämpfung der Armut von Kindern und Familien gehört ganz oben auf die Agenda bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen“, fordert aktuell Caritas-Präsident Peter Neher. Damit hat er recht. So muss etwa gezielt in Schulen investiert werden, an denen arme Kinder in der Mehrheit sind. Denn Bildung ist ein entscheidender Schritt aus der Armut.

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