Erfolgsmodell Integrationsunternehmen

50 Jahre Kolping-Bildungswerk: Fachtagung mit Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann in Soest

Soest. In der dritten und letzten Fachtagung im Rahmen der Jubiläumsaktivitäten „50 Jahre Kolping-Bildungswerk Paderborn“ hat der erfahrene Bildungsdienstleister mit 100 Gästen im Hotel Susato über „Chancen und Herausforderungen durch das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG)“ diskutiert. Als prominente Redner waren Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) und Dr. Fritz Baur als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen nach Soest gekommen.

Geballtes Fachwissen (v. l.): Wolfgang Gelhard (Geschäftsführer Kolping-Bildungswerk Paderborn), David Bontempi (Hoteldirektor Hotel Susato), Christiane Mackensen (stellv. Bürgermeisterin der Stadt Soest), Karl-Josef Laumann (NRW-Arbeitsminister), Regina Schafmeister (Vorsitzende der Stiftung KOLPING-FORUM Paderborn), Dr. Fritz Baur (Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen) und Thomas Keck (Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen).

 

„Die Integrationsunternehmen haben sich am Markt behauptet, das bedeutet, sie leisten gute Arbeit“, hob Laumann zu Beginn seiner Rede hervor. Für das Land NRW seien sie als Brücken in den ersten Arbeitsmarkt von großer Bedeutung und daher als eine absolute Erfolgsgeschichte zu betrachten, so der Arbeitsminister weiter. Bezogen auf das neue BTHG sagte er eine Erweiterung des Wettbewerbes voraus. „Die Werkstätten für behinderte Menschen, die nach wie vor ebenfalls wichtig sind, werden sich verändern. Sie werden zukünftig mehr als heute Übergänge ermöglichen müssen“, prophezeite Laumann. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels sei eine aktivierende Arbeitsmarktpolitik, die so viele Menschen wie möglich in Beschäftigung bringe, unerlässlich.

Dr. Fritz Baur ging in seinem Statement verstärkt auf die Finanzierung der Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsmarkt ein. „Die Ausgleichsabgabe wird auf Dauer nicht reichen“, ist sich Baur sicher. „Aber bis 2021 wird der Bund Schätzungen zufolge etwa 600 Milliarden Steuer­mehr­einnahmen zu verzeichnen haben, da sollte auch für Integrationsaufgaben was übrig sein“, meint Baur. Darüber hinaus müsste wesentlich mehr für Öffentlichkeitsarbeit getan werden als bisher: „Die Integrationsunternehmen leisten eine hervorragende, gesellschaftspolitisch wichtige Aufgabe, aber das kommt bei vielen Menschen nicht an!“

Diesen Punkt wollte Regina Schafmeister, Geschäftsführerin gleich mehrerer Integrationsunternehmen unter dem Dach des Kolping-Bildungswerkes Paderborn, sofort ändern: In einer von Thomas Keck (Erster Direktor der Deutschen Rentenversicherung Westfalen) moderierten Podiumsdiskussion erzählte sie aus dem Innenleben der Integrationsbetriebe. „Die Kunst ist, Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung miteinander zu vereinen“, so Schafmeister: „Das geht nur, wenn alle Mitarbeiter des Unternehmens hinter der inklusiven Idee stehen und sich gegenseitig unterstützen.“ Auf die Frage, was die Politik verbessern könne, antwortete sie, dass gerade die Anfangsphase eines neu gegründeten Integrationsunternehmens besser stabilisiert und flankiert werden müsse. „Es ist schwierig, die strikte Quotenerfüllung des Personals mit Handicap vom ersten Tag an einzuhalten. Da wäre eine Lockerung wünschenswert. Darüber hinaus ist es für die Integrationsunternehmen wichtig, dass die Finanzierung dauerhaft gesichert ist“, so Schafmeister. Diese Forderung begrüßte auch der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Paderborn, Wolfgang Gelhard. In seinem Unternehmen wurden unter großer Kraftanstrengung in den letzten 15 Jahren acht Integrationsbetriebe an den Start gebracht. „Wir verfügen über drei Hotels, zwei Wäschereien, einen Lebensmittelmarkt, ein Secondhandkaufhaus sowie eine Zeitarbeitsfirma für Menschen mit Behinderung“, bilanzierte Gelhard. Und auch nach dem großen Jubiläumsjahr, ist er sich sicher, wird ein besonderer Fokus des Bildungswerkes auf der Integration von Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt liegen. Vielleicht komme dann der ein oder andere Integrationsbetrieb noch dazu.

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