Gemeinsame Anstrengungen nötig

Drei Flüchtlinge machen in einem Attendorner Unternehmen eine Ausbildung

Attendorn (jon). Flüchtlingen eine Perspektive bieten will das Unternehmen „KIRCHHOFF Automotive“ in Attendorn. Gleich drei Flüchtlinge haben dort eine kaufmännische oder gewerbliche Berufsausbildung aufgenommen. Diesem Leuchtturmprojekt stattete Domkapitular Dr. Thomas Witt, Flüchtlingsbeauftragter des Erzbistums Paderborn, einen Besuch ab.

Der Besuch in Attendorn solle einerseits ein Dank an den Unternehmer Kirchhoff und seine Belegschaft sein, andererseits ein Aufruf an alle Arbeitgeber, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen, sagte Witt. Laut einer Analyse des Bundesinstitutes für Berufsbildung haben nur 2,7 Prozent der Betriebe einen Auszubildenden mit Fluchthintergrund. Da gebe es noch großes Steigerungspotenzial. „Wenn wir von den Flüchtlingen wenigstens eine Teillösung des Fachkräftemangels erhoffen, dann müssen in allen Bereichen mehr Betriebe dem Beispiel von Arndt Kirchhoff folgen und von den aktuellen gesetzlichen Erleichterungen Gebrauch machen“, sagte Witt, der auch Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes ist. „Betriebe, Verwaltung und Verbände müssen Hand in Hand arbeiten, damit aus ihnen qualifizierte Fachkräfte von morgen werden.“ Auch der Diözesan-Caritasverband habe für einen afghanischen Flüchtling eine zusätzliche Ausbildungsstelle schaffen können.

Als Wirtschaftsunternehmen müsse Kirchhoff zwar zuerst auf die Wirtschaftlichkeit achten, sagte Personalleiter Daniel Kramer. „Für unsere Beschäftigten und die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen ist uns aber genauso wichtig.“

In erstaunlich gutem Deutsch berichteten die drei Auszubildenden aus dem Iran, Sri Lanka und Afghanistan von ihrer Situation. Sie machten deutlich, dass neben der Bereitschaft des Ausbildungsbetriebes und der eigenen Motivation die Begegnung mit den richtigen Menschen zur richtigen Zeit sehr wichtig gewesen sei. Sie alle bedankten sich für die Vermittlung bei ihren ehrenamtlichen Unterstützern. Ein solcher Brückenbauer ist der ehemalige Berufsschullehrer Walter Gander, der in den vier Jahren seines Ruhestandes Sozialarbeiter, Lehrer, Motivator, Seelsorger und Vermittler in einem war. Auch beim Besuch von Domkapitular Dr. Thomas Witt nahm er sich Zeit, um „seine“ Schützlinge zu begleiten. Er appelliert sowohl an die Wirtschaft als auch an die Kirche, sich noch mehr für die Inte­gration auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einzusetzen.

„KIRCHHOFF Automotive“ setzt bei seiner Förderung nicht nur von Flüchtlingen das Instrumentarium „Tarifvertrag zur Förderung von Ausbildungsfähigkeit (TV FAF)“ ein, eine betriebliche Förderphase, die bis zu einem Jahr dauern kann und Jugendlichen, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, eine praktische Orientierung gibt. Bei erfolgreichem Durchlaufen der Maßnahme können die Teilnehmer mit der Übernahme in eine Ausbildung rechnen. Davon konnten zahlreiche Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund profitieren, teilweise so erfolgreich, dass solcherart geförderte Auszubildende bundesweit Spitzenplätze belegen konnten, berichtete Ausbildungsleiter Michael Isphording stolz von zwei Brüdern aus Russland.

Personalleiter Daniel Kramer betonte die Notwendigkeit guter Sprachkenntnisse in der Ausbildung. Ohne die intensive Begleitung durch Walter Gander hätte zumindest einer seiner Auszubildenden große Schwierigkeiten, dem Unterricht in der Berufsschule zu folgen. Gleichzeitig möchte Kramer bei der Qualität der Ausbildung keine Abstriche machen.

„KIRCHHOFF Automotive“ engagiert sich auch über Ausbildungsplätze hinaus. So wurden unter anderem Sprach- und Alphabetisierungskurse mit Kinderbetreuung für Flüchtlinge sowie Praktikumsplätze angeboten und der private Einsatz von Mitarbeitern für Flüchtlinge gefördert.

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