Heilige Empfehlung: kalte Dusche

Gedanken zu Lk 12,13-21

Eine „kalte Dusche“ empfiehlt der heilige Ignatius von Loyola, aber nicht wegen der Sommerhitze. Foto: Gesa D/pixelio

 

Wenn das Ich und nur die Dinge eine Rolle spielen, droht die Seele zu erkranken.

von Liudger Gottschlich

Auf dem Weg zur Krönungsmesse im Hochgefühl der Macht, stellte sich früher ein Mönch in den Weg des Papstes, verbrannte ein Bündel Werg und rief unüberhörbar: „Heiliger Vater, so vergeht der Ruhm der Welt!“ Eine eiskalte Dusche gegen Hochmut und Unsterblichkeitsgefühle.

Ähnlich mag es manchem heute mit den Texten gehen. Höhepunkt der Ferien, Leichtigkeit, Lebensfülle, Sorglosigkeit. Und dann – patsch! – Worte von Vergänglichkeit, vertanem Leben, plötzlichem Tod. Kein Sommermärchen. Kirche als Spaßbremse.


Gut so! Wieso sollte der Gedanke an den Tod ausgerechnet in den Ferien keine Rolle spielen? Es gibt schließlich das wachsende Phänomen der sogenannten „leisure sickness“, der „Freizeitkrankheit“. Gerade wenn die Entspannung kommt, brechen massiv Krankheiten aus. Die meisten Herzinfarkte gibt es im Urlaub. Vorher unterdrückt das Stresshormon Cortisol alle entzündlichen Prozesse. Wenn das zurückgefahren wird, schlägt der Körper zurück. Es gibt keinen passenden Zeitpunkt dafür, nicht nach der Rechenschaft für unser Seelenleben gefragt zu werden. Denn darum geht es hier.
Der Mann macht ja grundsätzlich nichts falsch. Die Ernte muss gesichert werden. Der Fehler ist, dass er alles nur auf sich bezieht. Er spricht zu seiner „Seele“, sie solle sorglos sein, essen, trinken, sich freuen und ausruhen. Das heißt, all seine tiefsten Seelenkräfte, also sein Verstand, sein Gedächtnis, sein Wille, sein Streben, sind einzig auf ihn selbst ausgerichtet. Nichts und niemand sonst spielt für ihn eine Rolle. Bevor wir innerlich hämisch mit dem Finger auf ihn zeigen, sollten wir uns an die Mahnung von Papst Gregor dem Großen erinnern: Das kann dem ernsthaftesten Christen und Gottsucher ganz unbemerkt und schleichend passieren. Davor ist niemand sicher. Er beschreibt, „wie die Seele verkommt“: Zuerst wird man von den vielfältigen Aufgaben mehr und mehr in Anspruch genommen, sodass das geistliche Leben zurückgefahren wird. Dabei spürt man noch schmerzlich die Sehnsucht nach mehr Stille und Kontakt mit Gott. Doch nach und nach verliert sich diese Sehnsucht und am Ende erinnert man sich nicht einmal mehr daran, dass dies als Verlust empfunden wurde. Man kreist nur noch um sich. Seeleninfarkt.


Wie hütet man sich davor oder wie kommt man da he­raus? Ignatius von Loyola ist ein Praktiker der Spiritualität. Er empfiehlt „kalte Duschen“; in diesem Fall, Gott darum zu bitten, mir wegzunehmen, worum ich kreise – egal, wie weh das tut. Nur so kommt die Seele in ihre gesunde, freie Ausrichtung auf Gott zurück. Am Ende seiner großen Exerzitien lässt er eine lange Übung machen, die ausführlich meditiert, wie überreich Gott seine Schöpfung und damit jeden einzelnen Menschen ständig beschenkt und erhält. Der Übende soll in das Vertrauen hineinwachsen, dass er selber gar nichts krampfhaft erstreben muss, damit es ihm gut geht. Gott gibt jedem alles. So wird verhindert, dass der Mensch sich statt auf Gott auf Vergängliches konzen­triert. Und damit das auch wirklich zutiefst in die Seele dringt, gibt er folgendes Gebet:
Nimm, Herr, und empfang meine ganze Freiheit, / mein Gedächtnis, meinen Verstand / und meinen ganzen Willen, / all mein Haben und Besitzen. / Du hast es mir gegeben, / dir, Herr, gebe ich es zurück. / Alles ist dein, / verfüge darüber nach deinem ganzen Willen. / Gib mir nur deine Liebe und Gnade; / das ist mir genug.


Die Ruhe der Ferien gibt Zeit für einen einfachen Seelen-­Test: Wie ehrlich kann ich das beten? Worauf richtet sich meine Seele aus? Traue ich Gott?

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