Heiliger mit Prinzip

4. Mai: Florian

Wie sehr die Gesellschaft die Feuerwehr auch in Zeiten detaillierter Brandschutzvorschriften braucht und wie sehr die Feuerwehrleute den Schutz von oben brauchen, haben aktuell die Bilder aus Paris gezeigt. Ihr Patron ist der hl. Florian. Wie er an dieses Patronat gekommen ist, lässt sich zwar zurückverfolgen, aber wirklich logisch ist es nicht.

Der hl. Florian, der Patron der Feuerwehrleute. Foto: diema / pixabay

 

von Claudia Auffenberg

Florian lebte im 3. Jahrhundert im heutigen Österreich. Als römischer Karrieresoldat war er bis zu seiner Pensionierung Amtsvorsteher des römischen Statthalters Aquilinus. Ob er aus Altersgründen oder wegen seines Bekenntnisses zu Christus in den Ruhestand geschickt worden ist, muss offen­bleiben. Jedenfalls zog Aquilinus im Zuge der beginnenden Christenverfolgungen durch die Lande und versuchte, Christen ausfindig zu machen. In Lauriacum, dem heutigen Lorch in Oberösterreich, nahm er 40 Personen fest. Als Florian davon hörte, eilte er nach Lorch, um sich bei seinem ehemaligen Vorgesetzten für sie einzusetzen. Doch da Florian sich weigerte, dem Christentum abzuschwören, ließ Aquilinus ihn ebenfalls festnehmen, foltern und zum Tode verurteilen: Florian wurde mit einem Mühlstein um den Hals in einen Fluss gestoßen. Seine Leiche wurde an Land gespült und von einer frommen Frau gefunden, die ihn auf ihrem Grundstück bestattete. Die Ochsen, die den Leichnam an die entsprechende Stelle transportierten, waren der Legende nach völlig erschöpft, worauf eine Quelle aus dem Boden hervorsprudelte, an der sich fortan viele Wunder ereignet haben sollen.

Zweimal also hat Wasser in der Geschichte des Heiligen eine besondere Rolle gespielt, und so wurde im 15. Jahrhundert eine Überlieferung an ihn „angedockt“, die sein Patronat begründet: Er, der „Wasserheilige“, soll in seiner Jugend ein brennendes Haus durch Gebet gerettet haben.

Mit dem nach ihm benannten Prinzip hat er nichts zu tun. Das scheint eher eine ironisch gemeinte Angelegenheit zu sein: „Heiliger Sankt Florian, verschon unser Haus, steck andere an!“ Doch diese Haltung, Probleme anderen in die Schuhe zu schieben und somit von sich fernzuhalten, ist nicht nur feine Ironie, sondern oft auch bitterer Ernst. Wie Europa mit Flüchtlingen, also mit Menschenleben, umgeht, ist ein dramatisches Beispiel. Im kleinen Rahmen hat vermutlich jeder schon mal so gedacht, aber natürlich weiß jeder, dass eine solche Haltung egoistisch und damit auf ganzer Linie schädlich ist. Wenn jeder nur an sich denkt, ist eben nicht an alle gedacht. Man stelle sich nur vor, ausgerechnet die Feuerwehrleute würden sich diese Haltung zulegen.

Der tatsächliche Grundsatz des hl. Florian war die Solidarität. Immerhin hat er sich auf den Weg zu seinen bedrängten Glaubensbrüdern gemacht, um ihnen zu helfen. Daher müsste das Floriansprinzip eigentlich ungefähr so lauten: Heiliger Sankt Florian, sind andere in Not, zeig, wie ich helfen kann.

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