Ich übernehme Verantwortung!

Gedanken zu Lk 12,35-40

Illustration: geralt / pixabay

 

Christen sollten zu den Menschen gehören, die sich nicht verweigern, sondern Verantwortung übernehmen.

von Bernd Haase

„Bedenken Sie, dass Sie Gott, dem Allmächtigen, und auch mir über Ihren Dienst Rechenschaft ablegen müssen.“ – Dieser Satz findet sich in der vom Erzbischof unterschriebenen Ernennungsurkunde eines Pfarrers in unserem Erzbistum und erinnert mich in meinem Dienst und Amt an die Verantwortung, die mir von anderer Seite anvertraut und übertragen worden ist und für die ich einmal Rechenschaft ablegen muss.

Verantwortung zu übernehmen für sein Reden und Tun – auch ganz persönlich –, dass scheint mir heute nicht mehr so hoch im Kurs zu stehen. Kommentare und Meinungsäußerungen in den sozialen Netzwerken lassen sich gut hinter einer Scheinexistenz verstecken; verantwortungsloses und betrügerisches Verhalten in der Wirtschaft hat nicht selten keine Konsequenzen, weil niemand persönlich dafür die Verantwortung übernimmt oder persönlich dafür verantwortlich gemacht werden kann; und wir selbst reden uns auch gern heraus, fühlen uns als (oder machen uns zu) Opfer(n) von Strukturen oder scheinbaren Notwendigkeiten, die wir nicht verändern können (oder wollen).

Es kann auf den ersten Blick sehr entlastend sein, nicht persönlich verantwortlich gemacht werden zu können, nicht persönlich Verantwortung zu übernehmen, sondern viel lieber von der sicheren Zuschauertribüne aus zuzuschauen – oder sich gleichgültig abzuwenden und den Dingen ihren Lauf zu lassen in der Meinung: Ich kann ja sowieso nichts ändern!

Aber es gibt – Gott sei Dank – auch die andere Seite: Menschen, die ganz persönlich und sichtbar Verantwortung übernehmen in Staat, Gesellschaft und Kirche, die sich engagieren, die mutig Entscheidungen treffen und dafür die Konsequenzen tragen – denken wir nur an die mutige Kapitänin der „Sea-Watch 3“, die Anfang Juli aus Seenot gerettete Flüchtlinge gegen staatliche Verbote nach Lampedusa gebracht hat und für so viele mutige Helferinnen und Helfer steht, die von manchen Seiten kriminalisiert und als Vaterlandsverräter verunglimpft werden.

Es gibt sie, die Menschen, die sich eben nicht persönlich verstecken oder in ihrer vermeintlichen Opferrolle einrichten, sondern aktiv mitgestalten und ihrer Überzeugung ein Gesicht geben und Verantwortung übernehmen – gefühlt leider oft die kleinere Gruppe!

Zu dieser Haltung ermutigt der Herr im Evangelium: nicht den persönlichen Vorteil, die persönliche Bereicherung zu suchen; genau hinzuschauen: Wofür schlägt mein Herz, was ist mir wirklich wertvoll und wichtig im Leben?; sich der eigenen, ganz persönlichen Verantwortung bewusst zu sein, weil mir Gaben und Talente und Fähigkeiten anvertraut wurden, die es einzusetzen gilt und die ansonsten fehlen in Welt und Kirche; wachsam und aufmerksam am Leben teilzunehmen und darin nicht müde zu werden; den mir Anvertrauten das zu geben, was sie wirklich zum Leben brauchen.

Es sind starke Bilder, die das Evangelium für Christen bereithält, die in Jesu Nachfolge diese Welt und auch unsere Kirche in seinem Sinne gestalten möchten; Bilder für innere Bereitschaft und äußere Tat: die Hüften gegürtet, die Lampen brennend, aktiv wartend, mutig und dienstbereit, treu und klug in Entscheidungen, in guter Sorge für die anvertrauten Menschen, sich der eigenen Verantwortung bewusst und vor allem: ohne Angst!

Es braucht sie, die Menschen, die persönlich Verantwortung übernehmen und die für ihr Tun und Lassen auch persönlich Rechenschaft ablegen – allein durch solche Menschen verändern sich Kirche und Welt im Sinne Jesu immer neu zum Guten. – Und ich gehöre dazu!

Zum Autor:

Pfarrer Bernd Haase ist Dechant des Dekanates Büren-Delbrück und Leiter des Pastoralverbundes Delbrück-Hövelhof.

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