Im Dienst für die Völkerverständigung

Forum im Bergkloster Bestwig diskutierte über den Einsatz von Missionaren auf Zeit

Freuen sich über die Begegnung: die ehemaligen deutschen MaZ Lea und Luisa sowie die beiden mosambikanischen Freiwilligen Sr. Luisa und Sr. Ester, die ein Jahr im Bergkloster leben.Foto: Ulrich Bock

 

Bestwig. Seit 20 Jahren senden die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel Missionare auf Zeit nach Bolivien, Brasilien, Mosambik und Rumänien aus. 307 junge Erwachsene haben diese Möglichkeit eines Freiwilligeneinsatzes im Ausland von 1997 bis 2017 wahrgenommen. Kürzlich trafen sich 74 dieser Rückkehrer im Bergkloster Bestwig. Und alle waren sich darin einig, dass dieses Jahr ihr weiteres Leben geprägt hat.

„Ich habe daraufhin afrikanische Kunstgeschichte studiert“, sagt beispielsweise Eva Wiegert, die 2012/2013 in Metarica in Mosambik tätig war. Und Tobias Dingwerth, der 1999/2000 in Oruro in Bolivien in einer Schule mitgearbeitet hatte, sattelte auf sein Medizinstudium noch einen Facharzt für Tropenmedizin.

„Das wissen wir von vielen Rückkehrern aller Entsende­organisationen im Erzbistum Paderborn: dass sie sich nach einem Auslandsjahr für ihr weiteres Leben neu orientieren, beispielsweise für einen sozialen Beruf entscheiden, Politikwissenschaft studieren oder in den diplomatischen Dienst gehen“, bestätigt Ulrich Klauke, Leiter des Referates Weltmission im Generalvikariat. Und Dr. Claudia Lücking-­Michel, Vorsitzende der katholischen Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe, gratuliert den Schwestern im Bergkloster mit den Worten: „Die Orden gehören zu den Vorreitern dieses Auslandsdienstes. Sie machen das schon seit 20 Jahren. Das ist ein Grund zum Feiern. Denn heute ist diese Auslandserfahrung wahrscheinlich wichtiger als je zuvor.“

Beim Missionarischen Forum zum Auftakt des Ehemaligentreffens diskutierte die stellvertretende Vorsitzende des Zentralkomitees der Katholiken gemeinsam mit Ul-rich Klauke, Tobias Dingwerth und Eva Wiegert die Frage: „Leben lebt vom Aufbruch – was leisten internationale Freiwilligendienste für eine gerechtere Welt?“ Und klar wurde in der Diskussion: Es geht weniger um die Arbeit, die die Missionare auf Zeit vor Ort leisten, als vielmehr um das, was sie daraus lernen. Charlotte Erbach, die 2016/­2017 in der brasilianischen Stadt Leme in der Pastoralarbeit und in einem Altenheim mitgearbeitet hat, fragte daher: „Ist dieser Dienst nicht viel mehr ein bildungspolitischer als ein entwicklungspolitischer?“ Tatsächlich wer-den die Austauschprogramme inzwischen größtenteils über das Programm „weltwärts“ vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert. Auch die Bistümer geben Zuschüsse.

Claudia Lücking-Michel sieht aber sehr wohl eine entwicklungspolitische Funktion: „Denn für die Weichenstellungen in Politik und Gesellschaft ist es wichtig, dass es Menschen mit diesem Erfahrungsschatz gibt. Zum Beispiel auch bei den Koalitionsverhandlungen, wenn es um Klimaschutz, Obergrenzen und Fragen der Globalisierung geht.“ Und die Pädagogin Birgit Bagaric, die viele Jahrgänge der Freiwilligen bei den Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel vorbereiten half, ergänzt: „Nicht alle kamen mit ausschließlich positiven Erfahrungen zurück. Aber niemand möchte diese Erfahrungen hinterher missen. Alle haben für ihr Leben gelernt.“ Dazu gehöre auch, sich für interkulturelle Verständigung einzusetzen. Dies geschehe schon durch die zahlreichen Freundschaften und Kontakte, die über die Austausche entstehen. „Manchmal werden sogar Ehen daraus“, so Birgit Bagaric mit einem verschmitzten Lächeln. Die Bitte einiger südamerikanischer Schwestern, den Missionaren auf Zeit zu verbieten, sich in ihrem Einsatzjahr zu verlieben, sei eben nicht umsetzbar.

Dieses interkulturelle Netzwerken sei es, was den Dienst so bedeutsam mache, betont Dr. Claudia Lücking-Michel: „Denn wer ein solches Auslandsjahr geleistet hat, weiß, was es bedeutet, sich in einer fremden Kultur und in einer anderen Sprache zurechtzufinden. Das führt unweigerlich dazu, dass wir Fremden viel aufgeschlossener begegnen.“ Und wichtig sei ebenfalls, dass dieser Austausch in beide Richtungen stattfinde. Die Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel bieten deshalb in diesem Jahr vier Menschen aus dem globalen Süden auch ein Erfahrungsjahr in Deutschland an. Und 20 sind zurzeit in umgekehrter Richtung in Bolivien, Brasilien, Rumänien und Mosambik im Einsatz.

An dem Ehemaligentreffen nahmen 74 frühere MaZ teil, außerdem Senioren, die einen Freiwilligendienst in einem ausländischen Ordensprojekt leisteten sowie Schwestern und Mitarbeiter des Bergklosters.

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