Jesus von Nazaret: „So gut wie Gott!“

Gedanken zu Mk 1,29-39

In Jesu Liebe zu den Menschen leuchtete seine Göttlichkeit auf.

"Gott ist bei euch und steht euch bei." Notfallseelsorger stehen Menschen zur Seite. Foto: pixabay

 

von Monika Krieg

„In Jesus Christus ist Gott in unserer Welt erschienen.“ Mit dieser Glaubensüberzeugung meinen wir, dass wir all das, was diesen Gott ausmacht, in Jesus sehen und erkennen können. „Ihn sahen wir, so gut wie Gott sein.“ (H. Oosterhuis)

Das heutige Evangelium fängt dieses „so gut wie Gott sein“ wie in einem Brennglas ein. Kurz und prägnant hören und lesen wir von mehreren aufeinander folgenden Begebenheiten innerhalb von 24 Stunden im Leben Jesu: zunächst von der Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus und der Heilung aller „Kranken und Besessenen“ der Stadt Kafarnaum. Später dann von Jesu Rückzug in das Gebetsgespräch mit seinem Vater, aus dem ihn die Jünger mit dem Ruf wecken: „Alle suchen dich.“ Und von Jesu Bereitschaft, auch in den umliegenden Orten für die Menschen „so gut wie Gott“ zu sein.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich all diese Geschehnisse tatsächlich so zugetragen haben, wie der Evangelist Markus sie aufgeschrieben hat. Er schrieb keinen historischen Bericht. Seine Absicht war es vielmehr, seine Zuhörer von der Göttlichkeit und Vollmacht Jesu zu überzeugen, sodass sie selbst Jesus als Sohn Gottes erkennen können und sich für ein Leben in seiner Nachfolge und für den Glauben an Gott entscheiden. Dabei musste er starke Argumente liefern und überzeugende Beispiele bringen. Denn ähnlich wie heute musste sich auch vor 2 000 Jahren schon der Jesusglaube legitimieren in einer weltanschaulich bunten Welt, in der Zauberer, Wundertäter und „Gottessöhne“ keine Unbekannten waren. Markus musste aufzeigen, dass Jesus wirklich Gottes Sohn war. Deshalb hob er die machtvollen Taten Jesu besonders hervor und bezeugte durch sie: So ist unser Gott.

Auch uns heute möchte das Markusevangelium einladen zu einer persönlichen Glaubensantwort auf diesen Menschen aus Nazaret und seine Botschaft von Gott. Mich sprechen dabei im heutigen Evangelium besonders jene Stellen an, an denen der Umgang Jesu mit den Menschen seiner Umgebung deutlich wird. Behutsam soll er gewesen sein, anteilnehmend und verbunden, zugewandt und heilsam. Ich verstehe, dass dies den Betroffenen gut tat und dass sie es in Erinnerung behielten. Und ich verstehe auch, dass diese Geschichten über die Jahrhunderte nicht in Vergessenheit gerieten.

Denn das ist es doch, wessen wir Menschen oft so bedürftig sind: dass da einer ist, der sich unserer Nöte annimmt. Der uns aufrichtet, wenn es uns schlecht geht. Der neben unseren leiblichen Gebrechen auch die seelischen Beschwernisse ernst nimmt, die die Bibel mit „Dämonen“ bezeichnet: Schuld, Verzweiflung, Zerrissenheit, Lebensüberdruss und Enttäuschung. (Letztere kommt übrigens sehr anschaulich in der ersten Lesung aus dem Buch Ijob zum Ausdruck.) Und der in seinem Handeln Träger von Hoffnung und Trost ist: Gott ist bei euch und steht euch bei.

Jesus von Nazaret ist unser Hoffnungsträger. Seine Botschaft zeigt sich „in der Liebe Sprache“ (H. Ooster­huis). Diese Sprache spricht auch uns an. Wir können uns ihr anvertrauen und uns von dieser Liebe umfangen lassen. Wir können sie sogar selber sprechen! Das hätte dann Konsequenzen: Wir würden selber Hoffnungsträger. Und Gott würde durch uns hörbar und spürbar.

Zur Autorin

Diplom-Theologin Monika Krieg ist Leiterin der Telefonseelsorge Paderborn.

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