Kein Beruf wie jeder andere

Nicht nur zu Allerheiligen ist der Friedhofsgärtner gefragt

Hamm. Die Vorbereitung und Gestaltung der Grabstätten vor und nach der Bestattungszeremonie ist eine zentrale Aufgabe des Friedhofsgärtners. Doch es gibt auch noch viele andere Tätigkeiten, die seinen Beruf ausmachen. Andree Korte liebt seinen Beruf als Friedhofsgärtner auf dem Ostenfriedhof.

Der Ostenfriedhof ist nur eine Wirkungsstätte von Gärtnermeister Andree Korte. Foto: Plamper

 

von Elisabeth Plamper

Es ist ein lauer Herbsttag. Gerade ist eine Beerdigung vorbei. Drei Männer schließen das Grab mit Erde, legen die Kränze und Sträuße der Trauergäste darauf und stellen das obligatorische Holzkreuz mit dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten auf. Dieses Bild haben derzeit wohl die meisten Friedhofsbesucher vor Augen, wenn sie über den Beruf des Friedhofsgärtners nachdenken. Doch es gibt auch viele andere Tätigkeiten, die das Berufsbild ausmachen.

Andree Korte ist mit Leib und Seele Gärtnermeister: „Ich liebe meine Arbeit. Für mich ist es ein Beruf, mit dem ich alt werden kann.“ Trotzdem sei die Arbeit auf einem Friedhof immer etwas Besonderes, sagt der 60-Jährige. Es herrschten klare „Lebens“regeln und die Zeit werde unwichtig. „Friedhöfe sind nicht nur Orte für die Toten, sondern auch Orte der Begegnung und um eine Auszeit vom Alltag zu nehmen oder in unserer schnelllebigen Zeit einmal abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen.“ Nach getaner Arbeit genieße er selbst häufig die besondere Atmosphäre. Für ihn sei der Friedhof auch ein Stück Natur, die einen Lebensraum für zahlreiche Tiere biete.

Die Pflege des Ostenfriedhofes, der um 1800 als Gemeinschaftsfriedhof der jüdischen, katholischen, lutherischen und reformierten Gemeinde angelegt wurde, ist nur eine Aufgabe von Andree Korte. Sein 30 Jahre alter Meisterbetrieb pflegt noch drei weitere Friedhöfe. „Kein Tag ist wie ein anderer“, erzählt er. Der Jahreskreis biete immer wieder Abwechslung vom obligatorischen Strauchschnitt im Frühjahr und Herbst über Rasenpflege bis hin zum Winterdienst. Hinzu kämen die saisonalen Arbeiten zu Ostern, Pfingsten und Allerheiligen. Aber Andree Korte ist als Friedhofsgärtner nicht nur für die Bestandspflege der Anlagen verantwortlich, sondern auch für die optische Aufwertung und Gestaltung zuständig.

„Man muss heute sehr sensibel für die Entwicklungen in der Gesellschaft sein und entsprechend schon auf Jahre die Gestaltung des Friedhofes im Voraus planen“, erklärt Korte. Der Trend gehe eindeutig zu pflegefreien Gräbern. Darin liege auch ein großes Potenzial für die Entwicklung von modernen Parkfriedhöfen.

Wie eine Parklandschaft stellt er sich auch den zukünftigen Ostenfriedhof unter Berücksichtigung der Veränderungen in der Bestattungskultur und gleichzeitiger Bewahrung der historischen Besonderheiten dort vor. Denn auf dem Ostenfriedhof haben auch zahlreiche Persönlichkeiten der Stadt Hamm ihre letzte Ruhe gefunden.

Ihre Gruften fallen insbesondere durch ihre historischen, zum Teil denkmalgeschützten Grabmale auf. Die Art der Gestaltung und die Größe der Denkmäler zeugten von der gesellschaftlichen Stellung der Familien und Einzelpersonen, weiß der Friedhofsgärtner. Gleichwohl gibt es bereits das Gemeinschaftsgrab „Kreuzgarten“ mit 60 Grabfeldern. Es gleicht einem großen Steingarten mit entsprechend typischem Bewuchs, in dem sich die Gräber harmonisch einfügen. Eine weitere Anlage dieser Art ist als Rosengarten bereits geplant.

Die immer öfter aufkommenden anonymen Grabfelder lehnt Gärtnermeister Andree Korte aber aus Überzeugung ab. „Jeder Mensch hat zu Lebzeiten einen Namen. Den sollte man auch nach dem Tod wiederfinden.“

Bei der Entwicklung und Gestaltung „des Friedhofes von Morgen“ mit neuen Grabstätten steht der Gärtnermeister in Kontakt mit der Friedhofsverwaltung der Stadt und örtlichen Steinmetzen. „Wichtig für die Zukunft eines Friedhofes ist, die verschiedenen Bestattungsformen und Grab­arten auch aktiv anzubieten. Nur so bleibt ein Friedhof lebendig und trägt sich finanziell“, so Korte.

Inzwischen haben die drei Männer, die die neue Grab­stätte nach der Bestattung herrichteten, ihre Arbeit beendet. René Tomsa ist einer von ihnen. Er macht derzeit eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner. Der gelernte Einzelhändler wagte als Quereinsteiger einen beruflichen Neuanfang und hat es nicht bereut. „Man ist draußen kreativ und sieht am Abend, was man alles geschafft hat“, so der 33-Jährige. „Die Arbeit ist sehr vielfältig und man kommt häufig mit Menschen ins Gespräch. Außerdem hat der Beruf des Friedhofsgärtners Zukunft.“

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