Keiner is(s)t gerne alleine

Das Angebot „Iss wat“ der Scharnhorster Franziskus-Gemeinde wird immer beliebter

Dortmund-Scharnhorst. Gedämpfte Stimmen im Gemeindesaal von St. Franziskus. Tische stehen so, dass hier Gruppen von vier oder sechs Personen bequem sitzen können. Und der Raum füllt sich. Denn heute heißt es wieder „Iss wat“. Das bedeutet: leckere Suppe für zwei Euro und gute Gespräche gratis dazu. Doch etwas ist heute anders, betont Pastor Manfred Wacker. „Die Ehrenamtlichen, die sonst hier arbeiten, haben heute frei.“ Stattdessen servieren Schülerinnen und Schüler der Paul-Dohrmann-Schule drei verschiedene Suppen.

von Wolfgang Maas

„Ich brauche Gemüsesuppe.“ Kein Problem. Sofort ist der Teller gefüllt. Drei junge Frauen und ihr männlicher Kollege sind im Nu ein eingespieltes Team. Schnell haben die über 40 Besucherinnen und Besucher von „Iss wat“ einen Teller mit dampfender Suppe vor sich.

Unterstützung bekommen die Jugendlichen von ihrer Lehrerin Susanne Neumann und Pastor Manfred Wacker vom Pastoralen Raum Dortmund-Nordost. Er wollte im Stadtbezirk Scharnhorst ein bewusst niederschwelliges Angebot etablieren. „Wir entwickelten den Gedanken, eine Mittagsverpflegung aufzubauen – einen sogenannten Suppentag“, erklärt Wacker.

Am 25. April 2017 schließlich war es dann so weit, das Team von „Iss wat“ begrüßte seine ersten Gäste. Zuvor rührten der Pastor und seine ersten Mitstreiter die Werbetrommel. „Wie kriegen wir es hin, Ehrenamtliche zu gewinnen?“, lautete die Frage. Die kreative Antwort: Werbung auf eigenen Wurstpappen, wie man sie von der Pommesbude her kennt. „Das passt zum Ruhrgebiet“, findet der Geistliche und die Scharnhorster sahen das offensichtlich genauso. 27 Personen zwischen 40 und 80 Jahren haben sich nach der ersten Werbeaktion gemeldet. „Das hat uns alle positiv überrascht“, sagt Pastor Wacker sichtlich froh.

Es folgte eine Postkartenaktion. Verteilt wurden sie unter anderem bei der Tafel, in Apotheken sowie bei Ärzten. Gottesdienstbesucher sollten die Karten als Multiplikatoren weiterreichen. Der Aufwand lohnte sich. Beim ersten „Iss wat“ kamen genau 31 Gäste, die Zahl stieg schnell auf bis zu 50. Dabei waren auch Besucher, die zunächst gar nicht erkannten, dass die Kirchengemeinde ihr Gastgeber war. Pastor Wacker freut das, denn der Treff ist offen für alle – ob kirchennah oder -fern.

Ganz unterschiedliche Menschen kommen hierher. „Manche Gäste haben eine sehr dünne Rente, andere wollen nicht gerne alleine essen und suchen Gesellschaft“, fasst der Pastor zusammen. Inzwischen gibt es einen festen Gästekern, der rund 70 Prozent ausmacht. 30 Prozent der Besucher wechseln, man sieht also immer wieder neue Gesichter.

Die Jugendlichen der Paul-­Dohrmann-Schule haben inzwischen ihre Suppen verteilt und sich selbst eine Pause verdient. Den Kontakt zur Franziskus-­Gemeinde haben sie übrigens selbst hergestellt.

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