Kunst verbindet Himmel und Erde

Montagsakademie: Bischof Dr. Friedhelm Hofmann plädiert für eine kunstoffene Kirche

Paderborn. Der emeritierte Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann hat sich im Rahmen der Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät entschieden für eine kunstoffene Kirche ausgesprochen. „Oft wird die Kunst nur als ein schönes Beiwerk des Lebens angesehen, sozusagen als Überhöhung des oft anstrengenden Alltags.“ Dabei sei in Wirklichkeit „die Kunst wie eine Jakobsleiter, die Himmel und Erde miteinander verbindet“, regte Hofmann gleich zu Beginn seines Vortrages die Fantasie der Zuhörer im vollbesetzten großen Hörsaal an.

Der emeritierte Würzburger Bischof Dr. Friedhelm Hofmann

 

„Kirche und Kunst. Ein Plädoyer für eine kunstoffene Kirche“, lautete das Thema dieses Abends, bei dem der 75-jährige Theologe und promovierte Kunsthistoriker deutlich machte, dass „das Bekenntnis zum Glauben, das Bemühen um ein umfangreiches Wissen und eine – auch kulturell – missionarisch ausgerichtete Kirche immer auch das Bemühen um eine kunstoffene Kirche mit einschließen“. Denn jegliches künstlerisches Schaffen des Menschen, das das Böse vielleicht nicht ausschließen könne, es aber auch keinesfalls verherrlichen dürfe, müsse als Baustelle des Himmels gesehen werden, erklärte der Bischof.

„Kunst ist dem sakralen Umfeld des Menschen anzusiedeln“, so Hofmann. Sie übersteige sinnenhafte Erfahrungen und Vorstellungen des Menschen und berühre geradezu Göttliches. „Kunst enthält eine verschlossene, verschlüsselte Botschaft, die in einer wahrnehmbaren Gestalt existiert und über sich selbst hinausweist, eben weil sie immer den engen Horizont der Geschöpflichkeit durchbricht und in den geistigen Raum Gottes hineinreicht.“ Darum habe die Kirche die Kunst auch von Anfang an nicht nur geschätzt, sondern auch selbst integriert, sagte der ehemalige Bischof der Diözese Würzburg, der bis zu seiner Emeritierung zudem lange Zeit die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz geleitet hatte.

Hofmann machte darauf aufmerksam, dass die Kunst schon früh in der ganzen Kirche aufblühte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche gar „zur Heimat der Künste“. Schon ein flüchtiger Blick in die europäische Kulturlandschaft zeige die fundamentale Bedeutung der christlichen Kunst: „Was wäre Europa ohne seine Kirchen und Kathe­dralen, Klöster und Universitäten, ohne seine christlich motivierte und inspirierte Musik und Literatur?“ Gleichzeitig dürfe jedoch nicht darüber hinweggesehen werden, dass das Verhältnis zwischen Kunst und Kirche nicht immer leicht sei.

„Mit dem Beginn der Neuzeit löste sich im Abendland die Kunst wie auch die Philosophie aus ihrer kirchlichen Beheimatung. Sie wollte nicht länger Dienerin der Theologie sein“, erklärte Bischof Hofmann. Im 19. Jahrhundert habe sich die Kunst aus dem selbst gewählten Elfenbeinturm des Akademismus gelöst und auf die Straße gewagt, „um von den Menschen verstanden zu werden“. Damit brach allerdings eine Kluft des Unverständnisses auf, die das Verstehen des Kunstwerkes so erschwerte, „dass oft ein zeitlicher Abstand von einer Generation nötig ist, damit breite Kreise auch wirklich dieses Kunstwerk annehmen können“.

Diese „im autonomen Kunstverständnis beheimatete Problematik“ falle auch heute auf und verbinde sich nicht selten mit „der Rede von einer Krise zwischen Kirche und Kunst“, konstatierte der Kunstkenner. „Diese kann nicht ohne Weiteres geleugnet werden, aber die so viel beschworene Krise erfasst nicht nur das Verhältnis der beiden zueinander, sondern zunächst auch die in die Kunstentwicklung eingebettete Problematik der Autarkie der Kunst.“ Dennoch bleibe die Suche nach dem Absoluten bestehen und damit die Suche nach dem Wahren, Guten und Schönen.

Von entscheidender Bedeutung im Verhältnis von Kirche und Kunst bleibt für Hofmann, dass „die sich oft als sperrig, herausfordernd und widersprüchlich darstellende Kunst“, die gesellschaftliche Entwicklungen seismografisch ins Bewusstsein hebe, zukünftig nicht nur einige wenige Fachleute beschäftigen darf. Kunst, besonders die gelegentlich auch Unterbrechung und Beunruhigung bewirke, müsse weiterhin auch als „eine He­rausforderung an den Heils­auftrag der ganzen Kirche verstanden werden“. Kunst – in welcher Form auch immer – dürfe kirchlicherseits nicht museal verstanden werden. Vielmehr solle sie in ihrer Eigenwirklichkeit erkannt und befördert werden.

Wegen des Doppeljubiläums der 1 000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn das Thema: „Gott begegnen an heiligen Orten“.

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