Mein Kalender und ich

von Claudia Auffenberg

Als das Diözesane Forum zu Ende ist und man dort noch das Hohelied der Veränderung mitgesungen hat, ist es Anfang Oktober und das heißt: Zeit, sich einen neuen Terminkalender für 2018 zu besorgen.

Oh weia, und da entdeckt man bei sich im Herzen so einen kleinen Winkel, der Veränderungen gar nicht so gern hat. Früher, als auf der Welt ja grundsätzlich noch alles besser war, gab es auch das Kalenderproblem nicht. Da schickte alljährlich die Bank einen und der sah stets gleich aus. So war das neue Jahr einerseits blank und unbeschrieben, doch andererseits irgendwie vertraut. Diese Beziehung hätte ewig so weitergehen können, wenn man nicht sich selbst verändert hätte und plötzlich von Menschen umgeben war, die alle so wahnsinnig dicke Ringbuchkalender hatten. Also, um die eigene Bedeutung auch ein wenig herauszustellen, besorgte man sich auch so einen Kalender. Sein Vorteil liegt auf der Hand: Von außen ist er immer derselbe. „Mein Kalender und ich“, man wurde ein altes Paar.

Dann gab es einen geschenkt und seither ist der Erwerb eines neuen Terminkalenders ein kleines Drama. Hin- und hergerissen zwischen dem Hang zur Gewohnheit und der herbstlichen Selbstermahnung, mal bitte etwas experimentierfreudig zu sein, tigert man nun Stunden durch Schreibwaren- und Buchläden, auf der Suche nach dem optimalen Terminkalender, der außen schön sein soll, sodass man ihn in Besprechungen dabei haben kann, ohne dass alle in Gelächter ausbrechen, und zugleich innen so ungefähr wie der alte. Seit ein paar Tagen ist der neue nun im Haus, wir sind noch „per Sie“. Er ist der schönste von allen, aber kleiner als der alte und innen ein bisschen anders ... Mmh, ob das gut geht? Kommen wir beide ein Jahr lang miteinander aus …? Aber ach, beim alten hat es doch auch geklappt! ­Also: Nur Mut!

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