Mit den Augen eines Kindes

Geistlicher Glaubensimpuls

Im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern ist es ein argloses Kind, das den Erwachsenen die Wahrheit vor Augen führt, indem es ausspricht, was alle sehen: Der Kaiser hat ja gar nichts an! Ein solches Kind tauchte neulich bei der Generalaudienz des Papstes auf (Der DOM berichtete).

Generalaudienz in Rom: Ein kleiner Junge fand neulich die Uniform des Schweizer Gardisten interessanter als den Papst. Foto: kna

 

von Claudia Auffenberg

Es sagte nichts, aber allein durch sein Verhalten zeigte es, was alle im Saal vermutlich spürten, sich aber nicht zu spüren trauten: Diese Veranstaltung ist in Wahrheit langweilig.

Ja sicher, so eine Audienz gehört zu einem Rombesuch dazu, den Papst live sehen, das klingt aufregend, ein heilig­höfischer Glanz liegt irgendwie über allem. Aber die Wahrheit ist: Spannend ist es nur so lange, bis es offiziell losgeht. Wenn die Pilgergruppen sich sammeln, die Südamerikaner für Stimmung sorgen, wenn der Papst im Papamobil durch die Reihen fährt. Aber sobald er in seinem Sessel Platz genommen hat, wird es mühsam. Auch für den Papst selbst. Vielleicht gerade für ihn. Er muss das schließlich jede Woche machen. Umso mehr wird sich Franziskus über diesen Jungen gefreut haben, der da auf der Bühne der Audienzhalle herumspazierte, die bunte Uniform des Schweizer Gardisten intensiv in Augenschein nahm und sich weder durch freundliches Winken der Sicherheitsleute, noch durch seine Mutter ablenken ließ. „Er ist undiszipliniert, er muss Argentinier sein“, tuschelte Franziskus dem neben ihm sitzenden Georg Gänswein geradezu dankbar zu.

Quengelnde Kinder im Gottesdienst oder welche, die herumlaufen, sind manchmal nervig, das muss man zugeben. Aber manchmal ist man doch neidisch, dass so ein Kind sich traut, was man sich selbst nie trauen würde: einfach mal unbefangen demonstrieren, dass man jetzt am liebsten was anderes tun würde. In den nächsten Wochen ist der, um den es in der Kirche geht, als Kind in der Krippe anwesend. Was wohl als solches seine Botschaft an uns wäre? Eigentlich müssten wir es wissen.

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