Mit einem Bleistift die Welt verändern

Die Caritas Brilon beging mit einem Festakt ihren 70. Geburtstag

Brilon. Seinen 70. Geburtstag hat der Caritasverband Brilon bei einem Festakt mit mehr als 220 Gästen im Hubertussaal der Briloner Schützenhalle gefeiert. Auf dem Podium: Wegbereiter und Begleiter, ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter und ebenso die Menschen, die von der Caritas auf ihren unterschiedlichsten Lebenswegen begleitet werden. Not sehen und handeln, das war und ist das Caritas-Thema. Aber auch: Menschen zusammenbringen, sich füreinander einsetzen, um gemeinsam Hoffnung und Mut zu schöpfen. Grundhaltungen, die seit 70 Jahren das Engagement der Caritas Brilon leiten.

In lockerer Runde stehen den Moderatoren Pastor Stefan Tausch (l.) und Silke Otte (r.) Rede und Antwort (v. l.): Anne Bartholome (Leiterin des CKD-Regionalverbandes Bigge-Medebach), Josef Hesse (Vorstand Caritasverband Brilon a. D.) und Vorstand Heinz-Georg Eirund.

 

Die Gründung des Caritasverbandes rief der Paderborner Kabarettist Erwin Grosche zum Festakt in Erinnerung. In der Chronik von Josef Hesse, einem ehrenamtlichen Vorstandsmitglied von 1968 bis 2004, hatte er die frühen Werkzeuge der Caritasarbeit gefunden. Im Gründungsjahr 1946 waren das: ein Bleistift und eine Schreibmaschine. Sie standen seit dem 20. Februar 1946 im Caritas-Sekretariat, dem Vorläufer der heutigen Geschäftsstelle, das von der ersten Geschäftsführerin Helena Langer geleitet wurde. „Gib mir einen Bleistift und eine Schreibmaschine und ich verändere die Welt – so ist der Sauerländer“, honorierte Kabarettist Grosche augenzwinkernd den pragmatischen Willen zur Hilfe in der Gründerzeit. Eine Zeit, die Parallelen zur heutigen aufweist.

Einst wie aktuell steht die Caritas Menschen auf der Flucht und in Not zur Seite. Einst waren es vor allem ehrenamtlich engagierte Frauen, welche die Not sahen und halfen. Heute stehen Ehrenamt und Hauptamt Seite an Seite, um den Dienst der tätigen Nächstenliebe, der Caritas also, zu leisten. Mehr als 1 000 ehrenamtlich Engagierte in den Caritas-Konferenzen (CKD) und über 900 haupt­amtliche Mitarbeiter zählt der Verband heute. Aus den frühen Suppenküchen und Kleiderkammern ist ein Sozialunternehmen geworden, in dessen Trägerschaft 49 Dienste in den Bereichen der Senioren-, Kranken- und Behindertenhilfe liegen sowie Beratungsstellen, Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Angebote zu Kuren, Rehabilitation und Erholung. „Die Caritas-Pioniere haben ein Pflänzchen der Liebe inmitten von Trümmern gepflanzt. Daraus hat sich ein weitverzweigter Baum entfaltet“, veranschaulichte Festredner Monsignore Ullrich Auffenberg. „Menschendienst ist Gottesdienst. Im Handeln der Nächstenliebe berühren sich Himmel und Erde.“

Der Würdigung schlossen sich auch die Grußredner an. Ursula Beckmann, stellvertretende Landrätin des Hochsauerlandkreises, betonte die Bedeutung eines Wohlfahrtsverbandes wie der Caritas für die Menschen in der Region. Für diese eröffne der Caritasverband Brilon auch „neue Räume der Barmherzigkeit“, sagte Dechant Michael Kleineidam. Tief beeindruckt zeigte sich auch Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig von dem Engagement und den Menschen, die in dem Verband arbeiten: „Sie machen christliche Nächstenliebe erfahrbar.“ Eine Erfahrung, die vielen Menschen angeboten wird: Tagtäglich erreichen die Angebote der Caritas Brilon über 5 000 Menschen.

Verändert haben sich jedoch in den sieben Jahrzehnten die Rahmenbedingungen. „Wettbewerbe unter den Wohlfahrtsverbänden und den privaten Trägern wurden eingeführt, die pauschalen Vergütungen für Dienstleistungen wurden weitgehend abgeschafft, Arbeitsprozesse in Pflege, Beratung und Betreuung werden nach Effizienz und Effektivität betrachtet und gesteuert“, sagte Vorstand Heinz-Georg Eirund. „Auch deshalb haben sich die Wohlfahrtspflege und auch der Caritasverband Brilon in den vergangenen Jahren seiner Geschichte vom klassischen Wohlfahrtsverband zu einem Sozialunternehmen entwickelt.“ Trotz allen Wandels müsse der Kern gewahrt bleiben: „Gemeinsam muss es unser Ziel sein, den Menschen unabhängig von ihrer Konfession und Lebensleistung Sicherheit in schwierigen Lebenslagen zu gewähren“, unterstrich Eirund.

Das Geburtstagsprogramm wurde durch einen Gottesdienst in der St.-Nikolai-Kirche eingeleitet und mit Gesang und Tanz abgerundet: Auf der Bühne stimmten die „Hohlweg-Lerchen“ (Bewohner-Chor des Seniorenzen­trums St. Engelbert) „Lili Marleen“ an und eine Formation aus den Werkstätten St. Martin zeigte ihr Tanztalent.

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel