Neue Kolonialisierung

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die Bundesregierung hat ein Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht. Es wurden Eckpunkte beschlossen, wie die Zuwanderung künftig geregelt werden soll. „Endlich!“, rufen die einen, vor allem auch die Wirtschaft. „Ein solches Gesetz brauchen wir nicht“, sagen die anderen, vor allem jene, die überhaupt keine Zuwanderung wollen. Und mal wieder kreist Deutschland in der Diskussion um sich selbst.

Foto: Rawpixel / unsplash

 

Die Belange der Länder, aus denen die Zuwanderer kommen könnten, werden in der ganzen Diskussion nicht berücksichtigt. Bei Gesprächen mit Gästen aus Afrika im Rahmen des Monats der Weltmission wird jedoch deutlich, dass man die deutschen Pläne auf dem Schwarzen Kontinent durchaus kritisch sieht. Denn abgeworben werden sollen für den deutschen Arbeitsmarkt schließlich die qualifizierten, gut ausgebildeten Menschen. Während die Kolonialherren in früheren Zeiten – und weltweit tätige Konzerne auch heute noch – die Rohstoffe der ärmeren Länder ausbeuteten, soll nun auch der geistige Reichtum dieser Länder in den Westen exportiert werden. Zurück bleiben die weniger Gebildeten, was die Armut noch verschärft.

Deutschland braucht Zuwanderung. Doch diese kann nur in Zusammenarbeit mit den Ländern geregelt werden, aus denen die Zuwanderer kommen sollen. Auch dort müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, um die Armut zu beseitigen. Wir dürfen unsere Probleme in der medizinischen Versorgung, in der Altenpflege, im Handwerk und in der Industrie nicht auf Kosten der armen Länder lösen. Der „Diebstahl“ der geistigen Kapazitäten wäre dann eine ganz schlimme neue Form der Kolonialisierung.

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