Neue Propheten

Geistlicher Glaubensimpuls

Kurz vor Weihnachten tauten die Himmel den Astronauten Alexander Gerst. Zuvor hatte er eine vielbeachtete Videobotschaft zur Erde herab an seine noch ungeborenen Enkel gesandt, die sich durchaus an die Enkel aller derzeit lebenden Menschen richtete.

Ist die Erde bei uns in guten Händen? Alexander Gerst hat seine Zweifel... Foto: Paul Schubert u. Karin Schmidt / pixelio

 

von Claudia Auffenberg

Gerst entschuldigte sich bei der zukünftigen Generation dafür, dass die gegenwärtige den Planeten wider besseres Wissen ausplündere, das Klima zum Kippen bringe und sinnlose Kriege führe. „Ich hoffe, dass wir bei euch nicht als die Generation in Erinnerung bleiben, die eure Lebensgrundlage egoistisch und rücksichtslos zerstört haben“, sagte er.

Alexander Gerst ist Physiker und gehört mit Stephen Haw­king, Harald Lesch oder auch Ranga Yogeshwar offenbar zu einer neuen Prophetengeneration. Wir hören ihnen fasziniert zu, allerdings nicht, wenn sie über Physik reden. Womit Gerst seine Tage auf der ISS verbracht hat, welche Experimente er dort gemacht hat, würde unsereins vermutlich eh nicht verstehen. Spannend, ja, faszinierend wird es erst, wenn der Physiker metaphysisch, also philosophisch wird, wenn er zu den großen Fragen der Menschheit kommt und offenbar kommt ein Physiker dorthin.

Doch woher kommen die Antworten? Wer das Video von Gerst sieht, ist völlig zu Recht beeindruckt – und frustriert. Ja, sicher, wir sind auf dem falschen Weg, wir wissen es, aber wie gelingt die Umkehr? Aus eigener Erfahrung weiß man, wie sie gelingt, was einen ermutigt, großzügig und gelassen macht, was einem auch ermöglicht, Fehler einzugestehen: Es ist das Wohlwollen des oder der anderen. Es ist das Gefühl, getragen, gekannt und ja, nutzen wir das große Wort: geliebt zu sein. Als Christen bekennen wir, dass die erste Quelle der Liebe Gott ist. Nur er schenkt eine Liebe, die nicht fordert oder aufwiegt oder vertrocknen kann. Weil ein Physiker weder über die Liebe noch über Gott sprechen kann, jedenfalls nicht als Physiker, könnte dies die Stunde der Theologen, der Kirche sein. Aber: Wohin man schaut, äußern sich dort alle derzeit zur Zukunft der Institution Kirche. Das ist beeindruckend, aber irgendwie auch frustrierend …

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