Nicht von dieser Welt

Gedanken zu Joh 18,33b-37

Foto: Helga / pixelio

 

In der Welt, nicht von der Welt ist das Reich Gottes, das Jesus auf Erden gegründet hat.

von Achim Hoppe

„Christkönig“ – ein Fest, das Christus als König in den Mittelpunkt rückt, am Ende des Kirchenjahres; ein Fest, das uns eindrücklich in Erinnerung ruft: Jesu Königtum ist nicht von dieser Welt (vgl. Joh 18,36)! Eingeführt wurde es von Papst Pius XI. im Jahr 1925 – wenige Jahre, nachdem in Europa mit dem Ende des Ersten Weltkrieges Kaiser- und Königreiche zerbrochen waren und damit auch das Bündnis von Thron und Altar.

Dieses Fest will sagen: Das Reich, das Christus verheißt, das Reich der Gerechtigkeit, des Friedens, der Liebe und der Wahrheit (!) ist so ganz anders als alles, was wir Menschen uns ausdenken können an Macht-, Gewalt- und Herrschaftsstrukturen. Dieses Reich kommt nicht von oben, sondern von unten. Sein König ist nicht der Herrscher auf dem goldenen, sondern der als Verbrecher Verurteilte auf dem Kreuzesthron. Bereits im liturgischen Eingangsvers der Messe wird Christus besungen als „das Lamm, das geschlachtet ward, Macht zu empfangen und Herrlichkeit und Ehre“ (Offb 5,12).

Das ist das Vorzeichen vor der Klammer des Christkönigssonntags: Der für uns Gekreuzigte und für uns Gestorbene hat durch seinen Tod den Sieg errungen und uns das Leben Gottes gebracht. Er steigt hinab in die tiefste Dunkelheit des Todes, in die tiefste Gottverlassenheit, um uns durch das Dunkel hindurch Licht und Leben zu bringen. Seinen Tod und seine Auferstehung feiern wir seit diesem Sieg an jedem Sonntag, in jeder Eucharistie.

Christi Königreich ist aber nicht von dieser Welt. Und genauso, so sagt es Jesus vorher in seinem großen Abschiedsgebet, seien seine Jünger (also die Mitglieder dieses Reiches) zwar in der Welt, aber nicht von der Welt (vgl. Joh 17,11–14). Das würde aber bedeuten, dass in der Gemeinschaft der Glaubenden die Maßstäbe seines Reiches gelten müssen: nicht Macht durch Waffen, sondern als sich verschenkende Liebe. Nicht Kräftemessen und Krieg, sondern Erhöhung der Niedrigen. Nicht die Großen an erster Stelle, sondern die Kleinen und Wehrlosen.

Der Blick in unsere heutige Kirche wirft da Fragen auf. Die Veröffentlichung der Studie der deutschen Bischöfe zu sexuellem Missbrauch durch Kleriker zeigt, dass vor allem ein klerikalistisches Kirchenbild wesentliche Ursache für das jahrzehntelange Wegschauen und Verdrängen schlimmster Verbrechen war. Auch Papst Franziskus geißelt ja den Klerikalismus als größtes Problem der Kirche. Immer dann, wenn einige Glieder des Volkes Gottes meinen, aufgrund ihres Amtes über den anderen zu stehen, wird die Botschaft Jesu verdunkelt, wird das Kommen seines Reiches verzögert. Als Priester dieser Kirche muss ich mich deshalb immer wieder selbstkritisch fragen: Welche Rolle spiele ich in der Gemeinschaft der Glaubenden? Bin ich wirklich Diener oder lasse ich mich zu oft bedienen? Bleibe ich ein Mensch, der wie jeder andere auch der Barmherzigkeit und der Vergebung bedarf, oder beharre ich immer nur auf meinem Recht? Freue ich mich über das Mitwirken vieler Frauen und Männer in den Gemeinden oder bleibe ich lieber ein unfehlbarer „Alleinunterhalter“? Der dringend nötige Erneuerungsprozess der Kirche wird dann Erfolg haben, wenn wir alle Maß nehmen an Christus, dem König auf dem Kreuzesthron, der sein Leben hingibt für das Heil der Welt. Wenn wir ihm vertrauen und seinen Maßstab beachten, dann werden auch unser Zusammenleben in der Kirche und unser Zeugnis als Christen in der Welt wieder glaubwürdiger.

Zum Autor:

Pastor StD Achim Hoppe ist Schulseelsorger und Lehrer an den Schulen St. Michael in Pader­born.

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