Ökumenisches Miteinander unumkehrbar

Gemeinsamer Vespergottesdienst führte Christen in Arnsberg zusammen

Arnsberg. Ein eindrucksvolles Zeugnis der Zusammenarbeit von Christen war der ökumenische Vespergottesdienst in der altehrwürdigen Propsteikirche in Arnsberg. Christen verschiedener Konfessionen waren am Sonntagnachmittag zusammengekommen, um gemeinsam zu beten und zu singen.

von Matthias Nückel

Erzbischof Hans-Josef Becker erinnerte bei der Begrüßung an die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) vor 70 Jahren. Dieses Gremium der ökumenischen Bewegung habe sich in den vergangenen Jahrzehnten als sehr hilfreich erwiesen. Im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 seien weitere Fortschritte erzielt worden, wie etwa der konfessionsübergreifende Religionsunterricht an Schulen. „Das ökumenische Miteinander ist unumkehrbar“, betonte der Paderborner Erzbischof und fügte hinzu: „Es ist der Wille des Herrn selbst.“

Präses Annette Kurschus rief die Christen in ihrer Predigt auf, dem eigentlichen Auftrag Jesu nachzukommen, nämlich allen Völkern das Evangelium nahezubringen. „Beim Auftrag Jesus geht es um alle und alles, um die Ökumene der gesamten Erde“, erklärte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Überall, wo ein Mensch getauft werde, trete er in die konfessionsübergreifende Gemeinschaft der Christen ein. „Wir sind alle zum ökumenischen Zeugnis gerufen – mit Herz, Mund und Leben, bis ans Ende der Tage“, so Annette Kurschus.

Sie erinnerte an die großen und kleineren Kriege des 20. Jahrhunderts, in denen Christen gegen Christen gekämpft hätten. Damit wolle sie jedoch nicht den Stab über frühere Generationen brechen. Vielmehr müsse daran erinnert werden, weil sich auch heute wieder der Irrglaube breitmache, Christen seien nur ihrem Glauben verpflichtet, und weil nationalstaatliches Denken wieder im Vormarsch sei.

Die Geschichte zeigt nach den Worten von Präses Kurschus, „dass wir schon bei der Verchristlichung der Christen am Anfang stehen“. Deshalb habe der ÖRK bei seiner Gründung den Auftrag zum Frieden deutlich formuliert.

Propst Hubertus Böttcher erläuterte zu Beginn der Vesper, dass die Propsteikirche schon seit dem 12. Jahrhundert ein Ort des Betens sei. Besonderheiten wie ein 800 Jahre altes Kirchenfenster, ein gotisches Kreuz oder das gerade entdeckte Grab Heinrichs I. machten deutlich, dass dieses Gotteshaus ein „Ort des Staunens und des inneren Betrachtens“ sei. „Ich darf mich mit Ihnen freuen, dass es heute hier eine Begegnung der Einheit gibt“, betonte der Leiter des Pastoralen Raumes Arnsberg. Er ludt zum Gebet ein, „dass wir zur Einheit finden“.

Der Vespergottesdienst, zu dem trotz des schönen Wetters am Sonntagnachmittag zahlreiche Christinnen und Christen gekommen waren, wurde auch musikalisch ökumenisch gestaltet. Die „Schola comshalom“ unter Leitung von Angelika Ritt-Appelhans und der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde Neheim unter Leitung von Dirk Beyrott sowie Kreiskantor Gerd Weimar und Angelika Ritt-Appelhans an der Orgel wirkten beim Gottesdienst mit. Im Anschluss waren alle Teilnehmer zu einer Begegnung in das im Frühjahr eröffnete Jugendcafé „Garage comshalom“ der katholischen Gemeinschaft Shalom eingeladen.

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