Problem der Union

Ein Kommentar von Matthias Nückel

Die CDU-Zentrale in Berlin. Foto: Siepmann / pixelio

 

Über die Weihnachtspredigten einiger Bischöfe ist eine politische Diskussion entbrannt. Funktionäre von CDU und CSU – darunter die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) – beschwerten sich, dass die Kirchen tagespolitische Stellungnahmen abgeben würden. Konkret ging es zum Beispiel darum, dass sich einige katholische und evangelische Kirchenvertreter für einen Familiennachzug von Flüchtlingen ausgesprochen haben.

Der Vorwurf, die Predigten seien politischer geworden, ist jedoch absurd. Die Kirchen halten sich, wie der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki es betonte, an das Evangelium. Sie bleiben ihrem Standpunkt treu. Die Pflicht zur Aufnahme von Flüchtlingen zum Beispiel zieht sich wie ein roter Faden durch die Bibel. Der Schutz von Ehe und Familie ist ebenfalls biblisch begründet. Und auch die Bewahrung der Schöpfung, die soziale Gerechtigkeit und der Schutz des Sonntags sind zutiefst christliche Themen. Die frohe Botschaft ist eben nicht nur dazu da, die Menschen auf das Jenseits zu vertrösten. Sie ist auch in gewissem Maß politisch.

Das war übrigens immer schon der Fall. Aber wenn Bischöfe früher mehr oder weniger offen zur Wahl der Unionsparteien aufgerufen haben, hat sich niemand aus der CDU/CSU beschwert. Jetzt, da die kirchlichen Positionen der Meinung der Unionsparteien öfter mal widersprechen, ist der Aufschrei groß.

Die Meinungsverschiedenheiten sind jedoch nicht auf die Kirchen zurückzuführen. Die Kirche hat ja die Bibel nicht umgeschrieben. Vielmehr haben sich CDU und CSU leider immer mehr entchristlicht. Bei der Suche nach neuen Wählerschichten sind viele christliche Positionen aufgegeben worden. Das wird nun für die Unionsparteien zum Problem.

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