Über Wege und Ziele

Geistlicher Glaubensimpuls

Im Internet gibt es ein sehr lustiges Video. Zu sehen ist ein englisches Hunderennen, genauer gesagt: ein Basset-­Rennen. Zur Erinnerung: Bassets sind diese Hunde, die aussehen, als seien sie am Ende der Schöpfung aus dem zusammengeschraubt worden, was noch im Regal lag. Der Körper zu lang, die Beine zu kurz und die Ohren schlackern wie nasse Socken ums Kinn.

Mmh... rennfreudig sieht so ein Basset nicht gerade aus. Foto: bastianmb / pixabay

 

von Claudia Auffenberg

Diese Zusammenstellung verleiht ihnen allerdings einen gewissen Charakter. Was auch immer ihr Schöpfungsauftrag sein mag, rennen ist es jedenfalls nicht. Das zeigt das Video eindrucksvoll. Vor dem Start sitzen die Tiere in Startboxen, dann kommt das Signal und – vereinzelt rennen manche los. Na ja, rennen ... Genau genommen läuft einer los, zwei, drei andere laufen zunächst hinterher, um sich nach wenigen Metern umzuentscheiden, die anderen gucken lieber, was am Rande so los ist.

Mit dem ersten Lachanfall haben die, die nicht losrennen, natürlich unsere volle Sympathie. Ja, genau, was soll das auch, dieses kopflose Hetzen, dieses unnütze Wettrennen, wozu eigentlich? Herrlich, wie sie sich dem verweigern. Bravo!

Doch dann wird man nachdenklich. Denn der einzige Hund, der losläuft, hat ein Ziel vor Augen. Er weiß, wo er hin muss, wo die Wurst auf ihn wartet. Die anderen Hunde sind offenbar orientierungslos. Sie gucken hier, sie gucken da. Sie kommen nicht an, weil sie kein Ziel für sich entdeckt haben. Denn es ist ja so: Der Weg ist eben nicht das Ziel, der Weg braucht ein Ziel. Das gilt für die Hunde, und es gilt auch für unsereins. Wir können es in diesen Tagen schön beobachten: Weihnachten ist das Ziel, der Advent der Weg. Die Idee ist eigentlich, dass man sich gemeinsam auf den Weg macht und dass dieser in einem zu bewältigenden Tempo zum Ziel führt. Doch wer dieses Ziel nicht kennt, für den ist der Weg das Ziel: volle Weihnachtsbeleuchtung spätestens ab Ende November inklusive Glühweinrausch, Plätzchen, O du fröhliche, das ganze Programm. Immer früher fängt es an, immer früher ist man es dann auch leid.

Schade! Wenn man nur wüsste, wie man den Leuten vermitteln kann, was sie verpassen. Man weiß es doch selbst noch, oder?

Diesen Artikel teilen:

Ähnliche Artikel