Wer bist Du – für mich?

Gedanken zu Mt 16,13-20

Primula veris, die echte Schlüsselblume, auch genannt Himmelsschlüssel. Zu ihren Erkennungsmerkmalen gehören der Wohlgeruch und die orangefarbenen Tupfer, die sogenannten Saftmale, die für den Duft sorgen. Foto: dpa

 

Die Aussage eines Freundes führt zur Selbsterkenntnis, die Mut machen kann.

von Klaus Korfmacher

Ein solches Selbstbewusstsein möchte ich auch haben! Es ist nicht das erste Mal, dass Jesus so auftritt. Diesmal ist er in Cäsarea Philippi. Offensichtlich ist dieser Ort gewählt, er liegt abseits, ist jedoch gewaltig in seiner Bedeutung und Botschaft: der in Stein gesetzte Anspruch von Herrschaft und Macht, derer, die meinen, sie wüssten, wer sie sind.

Ist doch der Name des Ortes, nordöstlich von Galiläa, Verweis auf den Gottkaiser des Römischen Weltreiches und seines jüdischen Vasallen, des Tetrarchen Philippus, Sohn des großen Königs Herodes. Beeindruckend an diesem Ort ist die Kulisse des sich erhebenden Bergmassives mit der riesigen Grottenöffnung, die als die „Pforte der Unterwelt“ bekannt ist und über den Jordanquellen imposant aufragt. Hierher kommt Jesus mit den Jüngern. Es ist eindeutig ein Umweg, geschuldet der Hoch-und Wendezeit, denn kurze Zeit später erfolgt die Ankündigung von Leiden und Auferstehung und wiederum nach der Verklärung mahnt er die Jünger ,nichts zu sagen „bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist“ (Mt 17,9).

Die sichtbare Herausforderung steckt in den in Stein gehauenen Nischen, die Götter- und Herrscherbilder beherbergen. Die Felswand trägt die Eintragungen und Titel derer, die dargestellt sind und die den Anspruch auf Macht symbolisieren. Philippus ist einer der Söhne des jüdischen Herrschers Herodes, des Großen, der 4 vor Chr. verstorben war, und die als Söhne das Herrschaftsgebiet unter sich teilten. Vor dieses Felsmassiv führt Jesus die Jünger und stellt die Frage: „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Die Antworten sind „Leutemeinungen“. Jesus nimmt sie nur zur Kenntnis. Die nachfolgende Frage entscheidet: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Petrus antwortet aus göttlicher Eingebung: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Die Antwort ist hoch provokant. Jesus, Sohn Gottes, der erwartete Messias, der Gesalbte des Herrn. Ein Doppeltes wird sichtbar. Zum einen das Selbstbewusstsein Jesu, dass sich aus der Zusage Gottes, des Vaters, bei der Taufe Jesu im Jordan zeigte: „Du bist mein geliebter Sohn!“ Daraus ist die Angstlosigkeit vor der Ausei­nan­der­setzung mit den Großen der Welt und den Säulen des jüdischen Glaubens erwachsen. Gerade zuvor hatte er die Jünger noch vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer gewarnt. Und so stellt er in Cäsarea Philippi seine Frage. Zum anderen führt er mit dieser Frage in die persönliche He­rausforderung des Selbst-Bewusstseins des Befragten. Im Inneren dreht sich die Frage und wird somit zur Anfrage: „Freund – Jünger – Petrus – Christ oder Christin: hast Du einen eigenen Standpunkt mir gegenüber?“ Genauer: „Ich frage Dich: „Wer bist Du – für mich?“ Eine Antwort führt zu mir selbst. „Wer bin ich – für Dich?“ In der Frage entdecke ich mich selbst. Im Evangelium gibt Jesus als Freund die Antwort. „Du bist Petrus …“, das sagt der, der mich erkannt hat und zur Bewusstheit des Selbst führt: „Ja, ich bin Petrus! Der Fels – auf mir baust Du Deine Kirche, die Mächte der Unterwelt werden diese Kirche nicht überwältigen.“ ­Jede getaufte Christin, jeder getaufte Christ steht in dieser Spannung von Frage und Antwort und von Ansage und ­Bewusstsein. Auch mir ist von Christus eine Antwort zugedacht und gegeben. Aus dem Freundschaftsverhältnis zu ihm kann ich sie annehmen. Und das Selbstbewusstsein als Christin und Christ bekennt Christus als den Messias und Sohn Gottes im Heute. Soviel Selbstbewusstsein kann sein.

Zum Autor:

Pfr. Dr. Klaus Korfmacher ist Leiter des Pastoralverbundes Dortmund-Mitte-Ost.

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