Zur höheren Ehre Gottes

111 Jahre lang spielte die Familie Richard die Orgel in Schönholthausen

Finnentrop-­Schönholthausen. Seit nunmehr 111 Jahren liegt die Orgel in der Mariä-­Himmelfahrt-Kirche in Schönholthausen im wahrsten Sinne des Wortes in den Händen der Familie Richard. Drei Generationen haben die „Königin der Instrumente“ hier ununterbrochen gespielt. Doch nun ist die lange Ära zu Ende gegangen. Organist Helmut Richard ging jetzt mit 80 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Stefan Rohrmann, dem er privat an der Hammond-Orgel das Orgel­spielen beibrachte.

Helmut Richard an der Orgel in seiner Heimatkirche Mariä Himmelfahrt, Schönholthausen. Jetzt ging er mit 80 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Foto: Lüttecke

 

von Meinolf Lüttecke

Der Großvater von Helmut Richard brachte seinem Enkelsohn schon früh die ersten Töne auf dem Klavier bei; sicherlich auch mit dem Hintergedanken, dass das „Familienunternehmen“ noch recht lange zum Lobe Gottes die Orgel spielen kann. Seine ersten Gehversuche an der Orgel machte Helmut Richard bereits im Jahr 1954, als der damals 17-jährige Gymnasiast eine Andacht an der Orgel begleitete. Von seinem Vater erhielt er dafür fünf Mark. Damit konnte er sein Taschengeld aufbessern.

Mit 42 Jahren wurde der Betriebsingenieur offiziell Organist. Und dann zog Helmut Richard 38 Jahre voll durch. Der Wahlspruch der Jesuiten wurde sein Leitsatz: „Omnia ad maiorem dei gloriam.“ Übersetzt: „Alles zur höheren Ehre Gottes.“ Teilweise war sein treuer Dienst auch in der Nachbarkirche St. Lucia in Ostentrop gefragt. In unzähligen Gottesdiensten hat Helmut Richard gespielt, ob Ostern, Pfingsten oder Weihnachten. Helmut Richard war immer zur Stelle. Auch bei Trauungen und Beerdigungen war sein Dienst an der Orgel gefragt. Eine Pause gab es dann im Sommer. Diese gönnte er sich in den Ferien, wenn er mit seiner Frau und den zwei Töchtern in die Alpen, ins österreichische Kleinwalsertal in den Urlaub fuhr.

Aber Helmut Richard hatte lange Zeit noch ein weiteres Hobby, und zwar war er 40 Jahre im Musikverein Schönholthausen als Posaunist oder Tenor- bzw. Baritonbläser im Einsatz. Sein Vater Josef Richard war viele Jahre Dirigent des Musikvereines und da war es für den jungen Richard nach dem Neuanfang des Musikvereines im Jahr 1955 Ehrensache, sich hier einzubringen. „Mein Vater war ein musikalisches Genie“, sagt Sohn Helmut zurückblickend. Und eine Anekdote gibt Helmut Richard auch noch zum Besten: Bei einem Musikverein aus dem hiesigen Sprengel – den Namen will er nicht nennen – habe der Dirigent vor einer Beerdigung gesagt, die Musiker sollten ein bisschen traurig spielen. Sie spielten dann jedoch so falsch, dass der Dirigent anschließend resümierte: „Das war traurig genug.“

Die Richard-Ära an der Schönholthauser Orgel begann am 15. Oktober 1906 mit Josef Richard Senior. Dieses exakte Datum bestätigt eine Widmung aus dem Jahr 1956 mit dem Bild des Erzbischofs und späteren Kardinals Lorenz Jaeger mit dem handschriftlichen Text: „In dankbarer Würdigung des 50-jährigen Dienstes an der Orgel“, Paderborn d. 15. X. 1956 – Lorenz, Erzbischof von Paderborn. Ihm folgte sein Sohn, ebenfalls mit dem Vornamen Josef. Dieser hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, denn bis in die 1970er-­Jahre nahm der Dienst an der Orgel wesentlich mehr Zeit in Anspruch.

An jedem Werktag feierte man in der Gemeinde Mariä Himmelfahrt die heilige Messe, am Sonntag wurden zwei Messen angeboten und um 14.00 Uhr noch eine Andacht. Das konnte Josef Richard Junior in der Woche nur deswegen mit seinem Beruf vereinbaren, weil er für seinen Arbeitgeber VEW später anfangen konnte.

Helmut Richard ist dankbar, dass er eine so lange Zeit zur Ehre Gottes die Orgel spielen konnte. „Das war nur möglich, da meine Frau Mechthild mich in allen Lebenslagen unterstützt hat“, sagte der Ruheständler. Nur eine Kleinigkeit hat er bei seinem Dienst für die Kirche zu bemängeln und zwar, dass die Melodie des Liedes „Maria aufgenommen ist“, welches auf Mariä Himmelfahrt am 15. August gespielt wird, im jüngst neu erschienenen Gotteslob abgeändert wurde. Das habe ihn ein wenig geärgert, sagt er.

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